Es mag sein, dass diese Gruppenregeln als zu umfangreich oder zu einschränkend wahrgenommen werden. Das einzige Ziel ist jedoch, in jedem Kurs, jedem Workshop oder sonstigen Gruppe eine schützende, warmherzige Atmopshäre gegenseitigen Vertrauens zu schaffen. Jahrzehntelange Erfahrungen (in psychosomatischen Kliniken, in ambulanten Therapiegruppen aber auch in Selbsthilfegruppen) haben gezeigt, dass dies nur auf Grundlage einer klaren Struktur mit verbindlichen Regeln möglich ist.

Die nachfolgenden Gruppenregeln sollen nach bestem Vermögen jedes Teilnehmers befolgt werden

Verbindliche Grundlage aller Kurse, Workshops und Events:

Alle Teilnehmer sind gleichwertig und gleichberechtigt. Sie sind für sich selbst und für die Einhaltung der Gruppenregeln verantwortlich. Die Gruppenleitung schützt, unterstützt und begleitet die Gruppenaktivität der Teilnehmer.

  • Wir begegnen uns in einer freundschaftlich-wohlwollenden, ehrlichen Grundhaltung.
  • Wir bemühen uns um gegenseitiges Verständnis und Einfühlung und in der Absicht, uns einander durch den offenen, ehrlichen Austausch von eigenen Erfahrungen, Empfindungen und Gefühlen zu nützen.
  • Die Teilnahme an Gruppen ist unter Einfluss von Alkohol, Drogen usw. nicht gestattet. Ärztlich verordnete Mittel, die in der vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden, fallen nicht unter dieses Verbot.

Verbindliche Gesprächsregeln für alle Kurse und Seminare

  1. Wir tragen keine Informationen aus den Gruppen nach draußen (weder darüber, wer teilgenommen hat, noch darüber, was gesprochen wurde).
  2. Wir sprechen in der ICH-Form. („man“ oder „wir“ wird nicht benutzt. Statt dessen z.B.: Ich höre… ich sehe… ich nehme wahr… ich freue / ich ärgere mich…)
  3. Wir sprechen nicht „um die Ecke“ über andere, sondern wir sprechen andere Teilnehmer direkt an.
  4. Wir geben einander keine Ratschläge, Tipps, Hinweise usw..
  5. Wir bewerten nicht (weder das Gesagte, noch die Handlungen anderer und keine Personen selbst).
  6. Wir interpretieren und deuten Aussagen anderer Teilnehmer nicht.
  7. Wir lassen andere ausreden, ausgenommen, wenn jemand eine Störung empfindet.
  8. Niemand ist verpflichtet, etwas beizutragen oder Fragen beantworten.
  9. Störungen haben Vorrang. (z.B.: wer sich verärgert, verletzt, gestört oder gelangweilt fühlt, darf und sollte diese Missstimmung der Gruppe mitteilen. Dazu dürfen auch andere Teilnehmer in der Rede unterbrochen werden.)

Empfehlung: „Würdezentrierte Kommunikation anwenden”

In Kursen, Workshops und fortlaufenden Gruppen wird den Teilnehmern empfohlen, bevorzugt den Gesprächsstil der »Würdezentrierten Kommunikation« anzuwenden, um die Vorteile und den Nutzen aus der Gruppenarbeit zu vergrößern.

Grundlage ist eine kooperative, freundschaftlich wohlwollende Grundhaltung

  • Wir bemühen uns, dem Ideal nahe zu kommen, keine Lügen anzuwenden (auch keine Not-Lügen und keine Lügen durch Verschweigen)
    • z.B. Lügen darüber, was wir wollen oder nicht wollen oder darüber, was wir fühlen
    • z.B. durch „Rettungen”, indem wir etwas tun oder unterlassen, was gegen unsere Interessen oder Gefühle gerichtet ist
    • z.B. durch „Rettungen”, indem wir mehr tun, als unser fairer, ausgewogener Anteil am Austausch von Geben und Nehmen ist.
  • Keine Machtspiele (= jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun oder zu unterlassen, was er aus freiem Willen so nicht handhaben würde)
  • Statt dessen…
    • werden wir nach dem fragen, was wir uns wünschen
    • werden wir nichts tun, was wir nicht tun wollen
    • werden wir uns darum bemühen, einen beiderseitige, zufriedenstellende und kooperative Übereinstimmung zu erreichen.

Systematik in der Kommunikation

  1. Ich lasse mir grundsätzlich Zeit, wenn ich einen anderen Menschen ansprechen will oder auf seine Handlungen oder Äußerungen reagieren will.
  2. Ich spreche grundsätzlich in der ICH-Form und zeige damit, dass ich mich mit allen meinen Äußerungen identifiziere und für alle meine geäußerten Schilderungen über Beobachtungen, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse die volle Verantwortung übernehme — Verantwortung dafür, dass ich beim Gesprächspartner Gefühle auslösen und Ansichten beeinflussen werde (nicht aber für den Inhalt der Gefühle und Ansichten des anderen verantwortlich bin!).
  3. Sofern ich mich nicht bereits im Gespräch befinde, frage ich den anderen um Erlaubnis, mein Anliegen mit ihm besprechen zu dürfen und benenne konkret, worauf sich die Erlaubnis beziehen soll (z.B. ob ich ihm eine Rückmeldung geben darf; z.B. ob ich ihn um Zuwendung bitten darf usw.). Ich respektiere seine Antwort bedingungslos, insbesondere ein eventuelles NEIN!
  4. Ich teile zunächst dem anderen ohne Bewertungen und Kommentare (wie die Aufzeichnung einer Videokamera) mit, was ich beobachtet, gehört, wahrgenommen habe.
  5. Ich teile dann mit, welche Gedanken und Gefühle diese Beobachtungen, das Gehörte und das Wahrgenommene bei mir ausgelöst haben.

Tipp: Das Geben und Nehmen von Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung…

  • Erlaube dir, anderen Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung zu geben.
    (bitte beachte dabei alle Punkte der vorstehenden Systematik, besonders das „Um-Erlaubnis-fragen)
  • Erlaube dir, von anderen Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung anzunehmen.
  • Erlaube dir, andere um Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung zu bitten.
  • Erlaube dir, unerwünschte Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung anderer zurück zu weisen.
  • Erlaube dir, dir selbst Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung zu geben.

Anerkennung, Zuwendung & Wertschätzung kann durch Worte, aber auch durch Körpersprache (z.B. „Ich bitte dich darum, mich zu umarmen!”)  geäußert werden, falls vorher um Erlaubnis gefragt und diese gegeben wurde!