von Moment zu Moment das Leben genießen

Ihre Lebenszeit ist nicht unendlich. Sie ist kostbar. Und sie besteht aus dem Aneinanderreihen vieler kleiner Momente. Es geht darum, möglichst keine dieser Momente zu verschwenden. Dies erreichen Sie, indem Sie alle diese Momente auf der Sachebene und der Gefühlsebene bewusst wahrnehmen. Anderenfalls wäre der Umgang mit Lebenszeit und dem Leben insgesamt so, als ob man sich einen teuren Logenplatz in Theater oder Luxuskino kaufen würde, dann aber das Gezeigte durch Unaufmerksamkeit verpasst.

Sie meinen, das seien „Binsenweisheiten”? – Dann beobachten Sie sich und Ihre Gedanken während Sie alltägliche Handlungen ausführen. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie vermutlich feststellen, dass Sie die meiste Zeit in einer Art „Automatikbetrieb” leben: Ihre Handlung läuft automatisch und aus Gewohnheit ab und während dessen beschäftigen sich Ihre Gedanken entweder mit vergangenen oder mit zukünftigen Themen.

Ist das etwa ein Problem? — Nein, aber es ist Verschwendung, denn es entgeht Ihnen ein Teil Ihres Lebens!

Ein Beispiel:

Sie beginnen Ihren Tag mit einem Duschbad. Kaum läuft die Brause und sie beginnen mit dem Einseifen, wandern Ihre Gedanken vielleicht zu dem, was Sie gestern nicht geschafft bekommen haben. Dann vielleicht zu dem, was Sie nicht vergessen und unbedingt noch erledigen müssen. Und dann vielleicht zu dem, was an belastenden Situationen und Erledigungen im weiteren Tagesverlauf ansteht.
Und Sie stellen plötzlich fest, dass Ihr Duschbad „erledigt” ist und das Abtrocknen ansteht. Sie könnten auch eine Liste mit Checkboxen führen und von Punkt zu Punkt springen, den Sie nach Erledigung abhaken.

Menschen, die ihr Leben so führen, als seien sie mit Checkbox-Listen unterwegs, die „Checkbox-Heroes”, sind anfällig für BurnOut und Depression. Denn das kann es ja wohl nicht sein, sein ganzes Leben mit dem Abarbeiten von Checkbox-Listen zu verbringen! — Dennoch leben viele Menschen so — meistens, weil man es ihnen durch Eltern, Schule, Ausbildung, Beruf so beigebracht hat.

Hier der Tipp mit konkretem Beispiel:

Sie können sich darin üben, Ihre Gedanken zu beobachten! Meist fällt dies zu Anfang nicht leicht. Manchmal macht es auch Angst, weil es so ungewöhnlich erscheint. Aber Ihr Leben ist es wert, dies zu versuchen:

Sie beginnen wieder Ihren Tag mit dem Duschbad. Aber nun richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf Ihre konkrete Wahrnehmung bei jedem kleinen Handlungsablauf!

  • Spüren Sie, wie Ihre Fußsohlen den Boden der Dusche berühren. Kalt oder warm? Feucht oder trocken?
  • Drehen Sie die Dusche auf. Spüren Sie dabei, ob der Griff kalt ist oder warm, glatt oder rau, trocken oder feucht.
  • Lassen Sie den Duschstrahl über Ihren ganzen Körper laufen. Spüren Sie, wie das warme Wasser nach und nach immer weitere Bereiche Ihres Körpers umfließt. Spüren Sie die Wärme, Nehmen Sie wahr, wie Ihre Haut, wie das Gewebe unter der Haut, die Muskulatur auf die Wärme reagiert.
  • Spüren Sie hinein in das aufkommende Wohlbefinden!
  • Und jedes Mal, wenn Sie bemerken, dass Ihre Gedanken abschweifen vom Geschehen des Duschens, entscheiden Sie sich nun bewusst dafür, diesen Gedanken nicht zu folgen. Sie entscheiden sich bewusst dafür, auch weiterhin Ihren Wahrnehmungen zu folgen und das zu genießen, was sich gerade zum Genuss anbietet.

Befürchten Sie, dass diese Art, Alltagshandlungen vorzunehmen, Sie an einem effizienten Ablauf hindert? Anfangs, wenn Sie mit dieser neuartigen inneren Haltung noch nicht vertraut sind, kann tatsächlich Ihre Effizienz leiden. Aber ist das nicht immer so, wenn man etwas Neues übt?
Schon bald können Sie aber die Zeit vergleichen, die ein Duschbad in alter oder in neuer innerer Haltung benötigt. Und ich bin sicher, dass der Zeitbedarf bald gleich sein wird oder sogar geringer wird, mit der neuen inneren Haltung.

Aber Ihr Genuss an Ihrem Tun wird immer mehr zunehmen! Und damit auch Ihre Freude an Ihrem Leben und dessen bewusster Wahrnehmung und Gestaltung.