Grundsätzlich ist fast ganz Deutschland mit Psychotherapeuten unterversorgt, sodass Wartezeiten von bis zu einem Jahr für einen Therapieplatz bestehen! Und es ist bewiesen, dass Krankenkassen vor allem an Kosten-Einsparungen denken. Leider ist ein bevorzugtes Gebiet für Einsparungen die Psychotherapie. Deshalb ist es generell schwierig, eine Psychotherapie zu erhalten. Um so erfreulicher, wenn es beim Heilpraktiker der Psychotherapie recht schnell Therapietermine gibt! – Wenn bloß die Kosten nicht wären!

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Der Hindernislauf, um eine kassenfinanzierte Psychotherapie zu bekommen

Stellt ein Arzt eine körperliche Krankheit fest, so kann er diese sofort behandeln und die Kosten dafür mit der Kasse abrechnen. Stellt jedoch ein Psychotherapeut aufgrund der Vorgespräche eine psychische Diagnose, so muss er erst einen „Antrag auf Gewährung einer Psychotherapie” bei der Kasse stellen und die Notwendigkeit der Psychotherapie begründen bzw. „rechtfertigen”. Fast immer wird dann die Diagnose vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen erneut überprüft. Und öfters auch abgelehnt!

Das ist schon skandalös! Da hat ein Arzt und ein Psychotherapeut doch eine gegenüber dem Mediziner gleichwertige Hochschulausbildung mit allen Zeugnissen und Diplomen. –  Aber an der Urteilskraft eines Psychotherapeuten wird offenbar grundsätzlich gezweifelt. Das geht zu Lasten des Patienten. Denn wenn der Antrag auf Psychotherapie abgelehnt wird, muss der Psychotherapeut einen neuen und besser begründeten Antrag stellen oder der Patient muss sogar ins Widerspruchsverfahren gehen.
Je nach psychischer Problematik hat der Patient aber gar nicht die Kraft dazu, z.B. im Zuge eines BurnOut, einer Depression oder einer Angst-Problematik.

Wird der Antrag auf Psychotherapie genehmigt, heißt es erst mal: wieder warten! Denn erst muss ein Therapieplatz frei werden. Besonders in ländlichen Gegenden, die meist besonders krass unterversorgt sind, kann das schon mal bis zu einem Jahr dauern! – Schlimm ist, dass die meisten psychischen Probleme ohne baldige Psychotherapie zu einer raschen Verschlimmerung und zur Chronifizierung führen.

Ausweg 1:  Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung

Alles, was Sie hierfür tun müssen, ist sehr gut beschrieben in der Broschüre der Bundes-Psychotherapeutenkammer, die Sie im PDF-Format herunterladen können. Natürlich macht die Psychotherapeutenkammer nicht auf die Möglichkeit aufmerksam, dass auch Heilpraktiker der Psychotherapie im Rahmen des Kostenerstattungsverfahren Psychotherapie-Leistungen erbringen können!

Auch wenn Sie beabsichtigen, einen Heilpraktiker der Psychotherapie zu beauftragen, ist diese Broschüre für Sie sehr wichtig. Denn bevor Sie in meiner Praxis eine krankenkassenfinanzierte Psychotherapie genehmigt bekommen, müssen Sie auch bei den Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung nach einem freien Therapieplatz nachfragen. Der Grund: Gemäß Sozialgesetzbuch V müssen zuerst verfügbare anerkannte Leistungserbringer wie Ärzte und Psychoptherapeuten in Betracht gezogen werden, um einen Therapieplatz zu bekommen. Erst wenn diese Leistungserbringer nicht verfügbar sind, weil sie z.B. keine freien Plätze haben, kann der Versicherungsnehmer, also Sie, auch einen Heilpraktiker der Psychotherapie im Rahmen des Kostenerstattungsverfahren mit der Therapie beauftragen.

Wenn es für Sie keinen Therapieplatz bei Psychotherapeuten gibt…

Wenn Sie also alle in einem ca. 25km großen Umkreis von Ihrem Wohnort befindlichen, kassenzugelassenen und nicht kassenzugelassenen Psychotherapeuten abgefragt haben und niemand Ihnen in zumutbar kurzer Zeit (was „zumutbar” ist, sollte Ihr behandelnder Arzt attestieren) einen Therapieplatz verbindlich (!) zusagen konnte, ist der Weg frei, auch einen Heilpraktiker der Psychotherapie zu beauftragen.

Vor Beginn der Zusammenarbeit müssen Sie allerdings bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme im Rahmen des Kostenerstattungsverfahren beantragen. Ob Sie mit diesem Antrag Erfolg haben, ist sehr davon abhängig, ob der Hausarzt „mitspielt”:

Ausweg 2: Heilpraktiker der Psychotherapie – ohne Wartezeit. Aber Selbstzahlung immer nötig?

Nicht immer muss man die Psychotherapie bei einem Heilpraktiker selbst bezahlen. Und abhängig von einigen Dingen, die ich im Folgenden erkläre, müssen die gesetzlichen Krankenversicherungen sogar die gesamten Kosten übernehmen!
In der Realität habe ich bisher aber immer erlebt, dass Krankenkassen die Psychotherapieleistungen eines Heilpraktikers möglichst grundsätzlich nicht übernehmen wollen. Und das, obwohl solch eine pauschale Ablehnung rechtswidrig ist.

Um Sie nicht mit gesetzlichen Vorschriften zu langweilen, habe ich die Punkte heraus gearbeitet, von denen es abhängt, ob die gesetzliche Krankenversicherung die Psychotherapie eines Heilpraktikers finanziert und ob das gesamte Honorar bezahlt wird oder nur ein Anteil davon.

  1. Sie müssen nachweisen, dass Sie sich in einem Umkreis von 25km um Ihren Wohnort herum um einen Psychotherapieplatz bemüht haben und dass Sie keinen Therapieplatz in zumutbar kurzer Zeit bekommen können. Hierzu fertigen Sie eine Telefonliste aller Psychotherapeuten an (kassenzugelassene Therapeuten finden Sie auf der Website der Landespsychotherapeutenkammer BW. Freie Psychotherapeuten finden Sie im Branchenbuch oder über Internetverzeichnisse wie Jameda, Therapie.de, usw.) und telefonieren Sie diese ab. Notieren Sie Datum und Uhrzeit Ihres Telefonats (siehe hierzu auch die oben verlinkte Broschüre der Bundes-Psychotherapeutenkammer).

  2. Sie müssen auch alle nicht kassenzugelassenen Psychotherapeuten nach einem Therapieplatz fragen und ihnen dabei mitteilen, dass Sie einen Therapieplatz wünschen, der durch das „Kostenerstattungsverfahren” von der Krankenkasse finanziert wird. Meine bisherigen Erfahrung zeigten, dass die meisten dieser Psychotherapeuten Ihren Wunsch wegen des damit verbundenen bürokratischen Aufwand und wegen des geringeren Honorars ablehnen. Oder sie haben ebenfalls keinen freien Therapieplatz. – Notieren Sie auch hier wieder Datum und Uhrzeit Ihres Telefonats.

  3. Angenommen, Sie haben mit mir Kontakt aufgenommen und ich biete Ihnen kurzfristig einen Therapieplatz an, den Sie aber (trotz meines reduzierten Stundensatz) nicht selbst finanzieren können. Dann können Sie nach erfolgtem, kostenlosen Erstgespräch in meiner Praxis einen Brief an Ihren Arzt von mir erhalten. Zusätzlich unterschreiben Sie eine Schweigepflichtsentbindung, die mir gestattet, mich mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihre psychischen Angelegenheiten auszutauschen.

  4. Ihrem behandelnden Arzt oder Hausarzt teilen Sie mit, dass Sie in angemessener Zeit keinen Therapieplatz bei kassenzugelassenen Psychotherapeuten erhalten können und auch keinen Platz bei nicht kassenzugelassenen Psychotherapeuten im Rahmen des „Kostenerstattungsverfahren” finden konnten.
    Sie legen ihm Ihre Telefon-Nachweise und den von mir ausgefertigten Vordruck vor und bitten ihn, den Vordruck auszufüllen und Ihnen unterschrieben mitzugeben.
    In diesem Vordruck bestätigt der Arzt:
    • dass gemäß §13 Absatz 2 des SGB V medizinische oder soziale Gründe eine Inanspruchnahme der Psychotherapie in meiner Praxis rechtfertigen, weil eine kurfristige Psychotherapie dringend erforderlich ist, um z.B. eine Verschlimmerung oder Chronifizierung abzuwenden.
    • dass Ihre Bemühungen um einen Therapieplatz in 25km Umkreis um Ihren Wohnort vergeblich waren, sowohl bei kassenzugelassenen als auch bei freien Psychotherapeuten, und somit gemäß §13 Absatz 3 des SGB V die unaufschiebbare Leistung der Krankenkasse nicht erbracht werden kann.
  5. Wenn Ihr Arzt den von mir erstellten Vordruck oder eine davon abgewandelte Form unterzeichnet hat, bitten Sie ihn um einen Ausdruck Ihrer Patientenakte (gemäß Patientenrechtegesetz). Dabei sollen nur diejenigen Angaben ausgedruckt werden, die mit Ihrer psychischen Problematik in Verbindung stehen oder stehen könnten.

  6. Bringen Sie alle Unterlagen zu einem weiteren Gespräch in meiner Praxis mit. Ich werde dann mit Ihnen gemeinsam den Kostenerstattungsantrag formulieren, die Psychotherapie begründen und meine Therapieplanung beschreiben, ähnlich wie es ein Psychotherapeut sonst auch tun muss.

  7. Nach Absenden der Unterlagen muss die Krankenkasse innerhalb von drei Wochen über den Antrag entscheiden. Falls die Krankenkasse den Medizinischen Dienst zur Begutachtung des Antrags einschaltet, dauert es bis zu fünf Wochen ab Antragstellung.

  8. Erst ab Eingang des bewilligenden oder ablehnenden Bescheids der Krankenkasse können Sie eine Therapie in meiner Praxis beginnen. Würde die Therapie schon vorher begonnen, wäre dies ein Ablehnungsgrund bei einer evtl. folgenden Auseinandersetzung mit der Krankenkasse. – Abhilfe: Wir deklarieren eine bis dahin bereits erforderliche Therapie einfach als „Psychologische Beratung”, damit Sie sofort die erforderliche therapeutische Begleitung bekommen.

  9. Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, ist es möglich, im Widerspruchsverfahren und ggfs. auch mit Hilfe des Sozialgerichts den Anspruch auf Leistungen einzuklagen. Ob Sie für eine solche Klage Prozesskostenhilfe erhalten, sollten Sie mit einem auf Sozialrecht spezialisierten Anwalt klären.
    Stellt sich heraus, dass die Krankenkasse den Antrag zu Unrecht abgelehnt hat, muss sie sämtliche Kosten übernehmen, sowohl für Ihre juristischen Aufwendungen als auch für die Psychotherapie!

  10. Angenommen, die Krankenkasse bewilligt die Psychotherapie bei einem Heilpraktiker der Psychotherapie, so kann es sein, dass sie nur einen kleinen Teil der Vergütung übernimmt und Sie den Rest zahlen sollen. Die Krankenkasse argumentiert dann meist damit, dass die Leistung eines Heilpraktikers der Psychotherapie im Falle einer fehlenden psychologischen (Hochschul-)Ausbildung erheblich weniger Wert sei, als die eines Psychotherapeuten.
    Hier kann ich aber aufgrund meiner Dokumentation und meines Qualitätsmanagements nachweisen, dass meine Psychotherapie-Leistungen mit denen der approbierten Psychotherapeuten gleichwertig sind!
    Es liegt dann in Ihrer Entscheidung, ob Sie den Anspruch auf volle Kostenübernahme notfalls gerichtlich durchsetzen wollen, oder sich „mit dem Spatz in der Hand” zufrieden geben wollen.

Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Oder zahlt man doch lieber selbst?

Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Leider betrifft es diejenigen mit dem größten psychischen Leid am härtesten. Denn oft hinterlässt psychisches Leid auch finanzielle Spuren, sodass gerade dann wenig Mittel zur Finanzierung einer Psychotherapie zur Verfügung stehen. Außerdem haben Menschen mit großem psychischen Leid meist nur noch wenig Kraft, sich gemäß der oben beschriebenen Vorgehensweise die Finanzierung einer Psychotherapie zu erkämpfen.

Aber gerade wenn das psychische Leid besonders schwer ist, kann eine Psychotherapie länger dauern. Bei wöchentlichen Therapie-Terminen von 60 Minuten ergibt sich bei einjähriger Therapie ein Aufwand von rund 45 Stunden. Angenommen, ich reduziere meinen Stundensatz auf 70 Euro, würden über das Jahr verteilt rund 3.150 Euro anfallen. Gerade dann lohnt es sich also, über das Kostenerstattungsverfahren eine Finanzierung durch die gesetzliche Krankenkasse zu erhalten.

Achtung! Berücksichtigen Sie bitte bei Ihrer Entscheidung auch die Datenschutz-Problematik bei jeder krankenkassen-finanzierter Psychotherapie.

Im kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch können wir auch über all diese Dinge hier sprechen. Vielleicht finden wir einen Weg.