Schematherapie ist mein Fachgebiet, meine Spezialisierung. Sie beruht auf einer engen Kombination aus Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie. Schematherapie bietet eine auch für Laien leicht verständliche Sichtweise auf psychologische Wirkungsmechanismen, die durch stark kränkende Erlebnisse in Kindheit und Jugend entstanden sind und auch im Erwachsenen-Alter die freie Lebensgestaltung beeinträchtigen. Diese Mechanismen verleiten zu ungünstigen Problemlösungen oder zu belastenden Situationen, die immer wieder kehren, obwohl man alles dafür tut, dass sich die Wiederholung nicht ereignet. – Aber was ist Schematherapie genau?

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Wie die Schematherapie entstand

Der Psychologe Frederic Charles Bartlett hat schon um 1930 herum den Begriff des „Schema” in der Psychologie begründet. Mit dem Begriff Schema soll der Einfluss eines vorhandenen Vorwissens auf die Wahrnehmung und Speicherung neuer Informationen bezeichnet werden. – Oder anders gesagt: Wir alle sehen die Gegenwart und Zukunft nicht objektiv, sondern gefiltert durch unsere bisherigen Lebenserfahrungen. Jean Piaget hat diese Ansätze 1976 verfeinert und ein „entwicklungsorientiertes Schemakonstrukt” beschrieben.

Jeffrey Young griff all diese Entwicklungen in den 1980er Jahren auf und veröffentlichte schließlich 1990 sein erstes Schemamodell. Er hat die Schematherapie entwickelt, um lebensgeschichtlich entstandene psychische Probleme bearbeiten, verringern oder beheben zu können. Derartige Probleme äußern sich oft durch Symptome wie BurnOut, Depression, Ängste, Phobien, ZwängePartnerschafts- und Beziehungsproblemesexuelle Schwierigkeiten und Vieles mehr. Die lebensgeschichtlichen Ursachen für diese Probleme sind meistens nicht offensichtlich, sondern können erst in der Therapie gefunden werden.

Schematherapie ermöglicht eine alternative, erfreuliche Psychotherapie im Sinne einer Nach-Entwicklung

Schematherpie: Ursächlich, nachhaltig, effizient

Schematherapie arbeitet immer ursächlich und setzt dafür tiefenpsychologische Methoden ein. Die so gewonnenen Erkenntnisse müssen aber im Alltagsleben konstruktiv umgesetzt werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Dazu nutzt die Schematherapie verhaltenstherapeutische Methoden. Durch diese Kombination von Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie wirkt Schematherapie nicht nur ursächlich, sondern auch nachhaltig. Dies ist einer der Gründe, warum sie zu den effizientensten Verfahren der Psychotherapie zahlt!

Individuell an die Eigenheiten der Klienten anpassbar

Zudem ist Schematherapie ein methoden-integratives Therapiekonzept: Alle bewährten therapeutischen Methoden, die die Vorgänge innerhalb des schematherapeutischen Konzepts unterstützen, können frei angewendet werden. Und so kann ein Therapeut den Ablauf der Schematherapie ungewöhnlich stark an die individuellen Eigenheiten des Klienten anpassen.
Diese Flexibilität ermöglicht auch Beratungsarbeit mit der Sichtweise der Schematherapie: die schemabasierte Beratung.

neue Sichtweise: Aus der „Therapie von Störungen” wird eine „Nachentwicklung für's Leben”

Mit meiner speziellen Sichtweise in der Anwendung der Schematherapie vermeide ich eine oft als etikettierend und stigmatisierend empfundene Unterscheidung zwischen „normal” und „krank / gestört”. Jeder Mensch, der leidvolle Erlebnisse in seinem Leben und keine Anleitung hatte, damit angemessen umzugehen, wird auffällige Eigenheiten entwickeln, die z.B. sozial störend wirken können oder zu einer verzerrten, leidvollen Wahrnehmung der Realität führen können. Es handelt sich um einen ganz „normale” Reaktion, die deshalb nicht „krankhaft” oder „gestört” sein kann!
Psychische Symptome sind demnach meiner Ansicht nach kein Zeichen einer „Krankheit” oder „Störung”, sondern lediglich sichtbar werdende ungünstige Bewältigungsstrategien, mit denen ein Mensch (vergeblich) versucht, sein Leid zu lindern oder herausfordernde Situationen zu meistern. Und dies gelingt einfach nur deshalb nicht, weil er keine Anleitung zu konstruktiven Lösungen hatte!

Ich meine, dass über 80% aller psychischen Schwierigkeiten darauf beruhen:

  • dass in der Kindheit und Jugend bestimmte Erfahrungen ungünstig verlaufen sind oder nicht gemacht werden konnten
    oder
  • dass in der Kindheit und Jugend eine geeignete Anleitung nicht oder nur unzureichend zur Verfügung gestanden hat
    oder
  • dass in der Kindheit und Jugend schwerwiegende Verletzungen (traumatisierende Ereignisse) stattgefunden haben.

Solche Erfahrungen oder Erlebnisse beeinträchtigen die Entwicklung von natürlichen und sozialen Fähigkeiten und führen sehr oft spätestens im Erwachsenen-Alter zu Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten. Die Schematherapie zielt auf eine Nach-Entwicklung dieser Fähigkeiten ab. Und aus dieser Sichtweise heraus leite ich ab: Statt „Therapie” biete ich eine „Nachentwicklung für's Leben” an.
So verwandelt sich „Psychotherapie” zur „Nachschulung” und zur erfreulichen Chance für ein gelingendes Leben!

Diese Sichtweise ist die Grundlage für meine Psychotherapie:

Ich vermeide mit meiner Sichtweise alle stigmatisierenden, etikettierenden Diagnosen und erspare meinen Klienten damit jede Form von Scham und Beschämung. Mit der Schematherapie gewinnen meinen Klienten ein sehr tiefes Verständnis für ihre Psyche und die Zusammenhänge, wie sie zu dem geworden sind, der sie heute sind. Meine Klienten finden eine leicht verständliche und stimmige Erklärung für ihre Schwierigkeiten. Dieses neue Verständnis erzeugt enormen Mut und ein erstes Selbstvertrauen, aus eigener Kraft etwas für sich selbst tun zu können. Meine Klienten erkennen, dass sie ihren Problemen nicht länger hilflos ausgeliefert sind.

Wie ein Schema entstehen kann

Schemata entstehen durch massive Nicht-Erfüllung von menschlichen Grundbedürfnissen

Die Kernbedürfnisse jedes Menschen wurden bei der Entwicklung der Schematherapie empirisch gefunden. Sie stimmen mit vielen früheren psychologischen Erkenntnissen überein. Nachfolgend die Liste der Kernbedürfnisse, die besonders bei Kindern und Jugendlichen erfüllt werden sollten, damit sie bestmögliche Chancen für ein erfülltes Leben haben.

Die menschlichen Kern- / Grundbedürfnisse

  • körperliche Sicherheit, Schutz, Versorgung
  • sichere stabile Bindungen, Kontinuität, Zuverlässigkeit
  • Geborgenheit, emotionaler Schutz, Vertrauen
  • emotionale Zuwendung, Mitgefühl, Trost
  • Angenommen-Sein wie man ist
  • Ermutigung und Anleitung zur Selbstwirksamkeit und zur Entfaltung der Potenziale
  • Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe
  • Respekt, Beachtung, Berücksichtigung
  • Freiheit zum Ausdruck von Gefühlen + Bedürfnissen, Freizeit, Spiel und Spaß
  • Möglichkeit und Anleitung zu Kontrolle und Abgrenzung, Autonomie
  • Anerkennung, Wertschätzung, Lob
  • Angemessene Grenzen (auch Werte, Maßstäbe)

Folgen einer massiven Verletzung von Grundbedürfnissen

Ein Schema im Sinne der Schematherapie entsteht in einer früher erlebte Lebenssituation, die mit allen Sinneseindrücken, Gefühlen, Erwartungen und einem Teil der Umgebungssituation gespeichert wird und die prägenden Charakter hat. Der prägende Charakter entsteht meist durch eine quälende, leidvolle Situation, die auf die Nicht-Erfüllung von menschlichen Kernbedürfnissen, von Überforderung und / oder verletzter Würde zurück zu führen ist, und in der der Mensch eine Bewältigungsstrategie erfunden hat, um sein Leid zu vermindern oder zu vermeiden.

Erlebt der Betroffene seine Bewältigungsstrategie als erfolgreich, verankert sich diese Strategie im Gedächtnis (Software) und wird zusätzlich durch neuronale Verknüpfungen im Gehirn (Hardware) gesichert. Dieser Verarbeitungsvorgang hat sich in der Evolution genetisch verankert und ist eigentlich sehr positiv, weil sich dadurch ein erfolgreiches Verhalten durchsetzt, das eventuell sogar das Überleben sichert.

Wie ein Schema sich auswirkt

Schädlich wird dieser Vorgang, wenn die erlernte Bewältigungsstrategie sich als Automatismus verselbstständigt. Der Betroffene kann dann sein Verhalten nicht mehr situationsbezogen frei wählen: Sobald der Betroffene eine Situation erlebt, die der damaligen Situation ähnelt, springt der Automatismus an. Die Erinnerung ruft die alten Gefühle wach und die alten Bewältigungsstrategien und Verhaltensmuster laufen ab, weil das damals erlebte Leid auch im Heute befürchtet wird und vermieden werden soll.
Dabei lässt der Betroffene außer Acht, dass er aktuell als erwachsener Mensch viel erfolgreichere Möglichkeiten hätte, mit einer solchen Situation umzugehen, als damals. Das „automatische Verhaltensmuster” läuft ab, obwohl der Betroffene dies nicht will. Er hat nicht mehr die Freiheit der Wahl in seinem Verhalten.

Die Intensität und der Umfang der Automatismen ist völlig unterschiedlich. Milde Automatismen können z.B. das Erröten in bestimmten Situationen sein, eine Schüchternheit vor dem anderen Geschlecht oder die Sorge, von anderen nicht Ernst genommen zu werden. Es kann sich auch in mangelnder Kritikfähigkeit äußern oder z.B. auch in schwer beeinträchtigenden Symptomen wie Ängsten, Phobien, Zwängen, Depressionen und auffällig oft auch in der „bipolaren Problematik”.

Diese Automatismen und ihren Ursprung bezeichnet die Schematherapie als Schema (Mehrzahl = Schemata). Die Schemata werden gemäß der Art des erlittenen Mangels bei der Erfüllung der Grundbedürfnisse in 19 Themenfelder unterteilt. Diese Themenfelder wurden empirisch bei der Mehrheit aller Patienten / Klienten gefunden:

Die 19 Themenfelder der Schemata in der Schematherapie
  • Emotionale Vernachlässigung
  • Verlassenheit und Instabilität (im Stich gelassen)
  • Misstrauen / Gewalterfahrung
  • Isolation
  • Unzulänglichkeit / Scham
  • Unattraktivität
  • Erfolglosigkeit / Versagen
  • Abhängigkeit / Inkompetenz
  • Verletzbarkeit
  • Verstrickung / unentwickeltes Selbst
  • Anspruchshaltung / Grandiosität (Besonders Sein)
  • Unzureichende Selbstkontrolle / Selbstdisziplin
  • Unterordnung / Unterwerfung
  • Aufopferung
  • Streben nach Zustimmung und Anerkennung (Beachtung suchen)
  • Emotionale Gehemmtheit
  • Überhöhte Standards / Perfektionismus (unerbittliche Ansprüche)
  • Negatives hervorheben / Pessimismus
  • Bestrafungsneigung

Schemata im Sinne der Schematherapie beschreiben also typische Lebenssituationen, in denen die gesunde Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse nicht erreicht und erlernt werden konnte und folglich ein nur schlecht funktionierender Ersatz als Lösung für die Bedürfnisbefriedigung erlernt wurde.

Es gehört allerdings leider zum heutigen Lebensalltag dazu, dass menschliche Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Je jünger ein Mensch ist, um so mehr benötigt er dann eine angemessene emotionale Begeitung für das entstandene Leid und außerdem eine angemessene Anleitung zum konstruktiven Umgang mit der Verletzung und Frustration erfolgt ist.
Aber auch als Erwachsener sind viele Situationen möglich, in denen ein leidvolles Erlebnis nicht mehr konstruktiv verarbeitet werden kann (z.B. aktiv oder passiv miterlebte Gewalt oder Unfälle, Mobbing usw.), sodass sich auch daraus noch Schemata bilden können.

Während bei Kindern und Jugendlichen allein schon aufgrund der viel höheren Verletzlichkeit ein Schema nur durch eine intensive Therapie überwunden werden kann, ist dies bei Erwachsenen meist viel leichter möglich, da sich die schädigenden Strukturen im Denken und Handeln nicht so stark festsetzen, wie bei Kindern und Jugendlichen.

Es ist selten, dass nur ein einzelnes Schema entsteht. Dies erklärt sich aus dem intensiven Zusammenhang der Kernbedürfnsse untereinander. So ist z.B. Geborgenheit, emotionaler Schutz und Vertrauen nur möglich, wenn zugleich auch die körperliche Sicherheit, Schutz, Versorgung sowie die Möglichkeit zur Abgrenzung, Autonomie und Kontrolle (und weitere Grundbedürfnisse) sicher gestellt sind. Zudem bilden sich meist auch Schemata heraus, die dazu beitragen, dass ein „Haupt-Schema” gestärkt wird oder aufrecht erhalten bleibt. Die recht kompliziert zusammen hängenden Schemata können am besten mit einer klar strukturierten Vorgehensweise bearbeitet werden, wie sie die Schematherapie bietet. Die Therapie erfordert auch nicht die Bearbeitung sämtlicher vorgefundener Schemata, sondern meist werden nur die Haupt-Schemata bearbeitet. Die anderen Schemata werden dadurch dann mehr oder weniger von selbst entkräftet.

Schematherapie ist eines der effizientesten Psychotherapieverfahren und wegen der ursächlichen (meist tiefenpsychologischen) Arbeitsweise und der verhaltenstherapeutischen Begleitung bei der Umsetzung der Erkenntnisse im Alltag zugleich auch nachhaltig im Erfolg! Dies wurde in mehreren wissenschaftlichen Auswertungen von Therapie-Ergebnissen nachgewiesen.

komplizierte Psyche – mit einfachem Modell leicht verständlich

Das Modell der drei ICH-Anteile der Persönlichkeit

Mit diesem anschaulichen, leicht verständlichen Modell können sich meine Klienten ihre inneren psychischen Vorgänge bewusst machen. Sie können alte störende Prägungen und deren Auswirkungen im Heute verstehen und erkennen Ansatzpunkte zur Veränderung. Das Modell beinhaltet das Kind-ICH, das Erwachsenen-ICH und ein Zerstörer-ICH. Diese haben eine klare Rollenverteilung, so als würden sie auf einer Theaterbühne spielen, die sich in der Persönlichkeit des Menschen befindet.
Darauf beruhen verschiedene Methoden. Eine davon ist z.B. die Beobachtung und aktive Gestaltung / Veränderung der „Inneren Dialoge”, die diese drei auf der „Inneren Bühne” miteinander führen. Dies wird verständlich, wenn man die Rollenverteilung anschaut:

Das Kind-ICH strebt nach unbegrenzter Lust / Lebenslust und benötigt dazu unbegrenzte Freiheit und unbegrenzte Macht. Das kann natürlich im Alltagsleben nicht funktionieren. Folglich ist eine Anleitung zu Einsicht und zur Selbstregulierung erforderlich. Dennoch bleibt das Kind-ICH der gefühlvolle und lustbetonte Teil der Persönlichkeit.

Das Erwachsenen-ICH beinhaltet die Fähigkeit zur Einsicht und Selbstregulierung und weitere mehr. Es bildet sich im Verlauf der Kindheit und Jugend und hat im Erwachsenen-Alter die Aufgabe, dem Kind-ICH ein wohwollend-fürsorglicher Elternteil zu sein. Es sollte dafür sorgen, dass die menschlichen Kernbedürfnisse des Kind-ICH erfüllt werden. Das starke Erwachsenen-ICH sorgt also dafür, dass das Kind-ICH glücklich ist.

Das Zerstörer-ICH ist der Anteil, der z.B. ständig antreibt, Leistung fordert oder der ständig abwertet / entwertet oder auch emotional erpresst und manipuliert. Dieser Anteil entsteht z.B. durch rigide, unterdrückerische Erziehungsmethoden, durch Gewalt usw. Es kann sich nur dort ausbreiten, wo sich das Erwachsenen-ICH und dessen Fähigkeiten nicht genug entwickeln konnte. – Daraus ergibt sich für die Therapie die Aufgabe, das Erwachsenen-ICH so zu stärken, und Fähigkeiten nachzuentwickeln, dass es seine Aufgabe dem Kind-ICH gegenüber als wohwollend-fürsorglicher Elternteil erfüllen un das Zerstörer-ICH erfolgreich vernichten kann.

Auf Grundlage dieses Modells lassen sich eine Vielzahl von Methoden anwenden, mit denen die alten Prägungen und die daraus entstandenen Bewältigungsstrategien nachhaltig überwunden werden können. Ebenso hilft dieses Modell dabei, die in der Therapie neu gewonnene Gestaltungsfreiheit (Freiheit der Wahl im Denken, Fühlen und Handeln statt der bisherigen Automatismen) konkret im Alltag einzuüben und erfolgreich zu nutzen.

So läuft Schematherapie meistens ab

Die Vorgehensweise und die Methodenvielfalt der Schematherapie hat mich schon damals  begeistert, als ich sie als Patient kennen gelernt habe. Nach einigen vergeblichen Therapieversuchen empfand ich die Schematherapie als Lichtblick. Endlich verstand ich, was in mir vorging und sah erste Lösungsmöglichkeiten für meine Probleme!

Grob vereinfacht läuft Schematherapie wie folgt ab:
Mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen kann ein leidender Mensch (Depression, Ängste, Zwänge usw.) stabilisiert werden. Mit tiefenpsychologischen Methoden können die Ursachen für die Schwierigkeiten gefunden und aufgearbeitet werden. Und um die daraus gewonnenen Erkenntnisse im Alltag erfolgreich nutzen und umsetzen zu können, werden wieder verhaltenstherapeutische Methoden genutzt.

Die Schematherapie verwendet dabei Methoden aller Therapie-Schulen, so weit sie zum Konzept passen. So werden unter anderem auch Imaginationen eingesetzt, welche aus der Traumatherapie nach Luise Reddemann bekannt sind. Das schematherapeutische Modell der drei ICH-Instanzen nutzt die Anregungen aus der Transaktionsanalyse nach Eric Berne welche sich wieder auf das Freudsche Modell zurück führen lassen. Die Arbeit mit den ICH-Anteilen der Persönlichkeit ist teilweise bekannt aus der EgoState-Therapie nach Watkins, nutzt aber auch Rollenspiele und Imaginationen.

Und hier beschreibe ich den ganzen Therapievorgang im Detail:

Die erste Phase: Sehr oft kommen Menschen erst dann zu mir, wenn sie ihre Schwierigkeiten nur noch schwer zu ertragen sind. In diesem Zustand sind sie so geschwächt, dass ein sofortiger Einstieg in die eigentliche Therapie überfordernd wäre. Deshalb erlernen meine Klienten zunächst Methoden und Kniffe, mit denen sie sich aus eigener Kraft beruhigen und stabilsieren können. Sie erleben sich wieder als selbstwirksam und nicht länger hilflos der Problematik ausgeliefert. In dieser ersten Phase entwickelt sich auch das nötige Vertrauen in der Zusammenarbeit.

In der zweiten Phase, die sich oft mit der ersten Phase mischt, informiere ich über die psychischen Wirkungsmechanismen (man könnte auch von Psycho-Logik sprechen) aus Sicht der Schematherapie. Das geschieht nicht theoretisch, sondern anschaulich und „hautnah nachvollziehbar” an Hand von Beispielen für bisher misslingende alltägliche Situationen. Hierdurch verstehen meine Klienten was in ihnen vorgeht. Sie beginnen zu ahnen, wie die im Alltag sichtbaren Schwierigkeiten mit bestimmten, frühen lebensgeschichtlichen Erlebnissen zusammen hängen. Durch dieses tiefe Verständnis für sich selbst werden oft schon erste Lösungsansätze sichtbar. Das macht richtig Mut, nun auch die heißen Themen anzupacken! Und es schafft Selbstvertrauen und Zuversicht, die Therapie mit Erfolg abschließen zu können!

In der dritten Phase, die auch oft durch sogenannte Schema-Fragebögen unterstützt wird, spüren wir gemeinsam die Ursachen für die heutigen Schwierigkeiten auf. Mit verschiedenen Methoden, die sich meist schon seit Jahrzehnten in anderen Therapieverfahren bewährt haben, bearbeiten wir die Antriebskräfte, die zu den oben schon erklärten Scheinlösungen geführt haben und die bewirken, dass diese Scheinlösungen auch heute noch verwendet werden. Diese Antriebskräfte lösen wir auf oder schwächen sie zumindest stark ab. Meist werden dazu Imaginationen und Rollenspiele verwendet. Diese Phase kann man auch als tiefenpsychologische Therapiephase bezeichnen, weil viele Informationen aus dem Unterbewussten zugänglich werden und konstruktiv genutzt werden.

In der vierten Phase, die sich immer mit der dritten vermischt, werden die gerade tiefenpsychologisch gewonnen Erkenntnisse und Lösungen mit verhaltenstherapeutischen Methoden im Alltagsleben umgesetzt. Ich begleite meine Klienten hier auf einer spannenden Entdeckungsreise neuer Möglichkeiten im Denken, Fühlen und Handeln, weit jenseits der alten ungünstigen Verhaltensmuster. Die alten Muster werden so allmählich „verlernt” und durch neue, erfreuliche und konstruktive ersetzt.

Parallel zu allen Phasen optimieren meine Klienten ihre Fähigkeiten, mit sehr starken Gefühlen angemessen umgehen und sie regulieren zu können, ohne sie dabei zu unterdrücken. Ebenso optimieren meine Klienten ihre kommunikativen Fähigkeiten. So können sie sich angemessen durchsetzen, Gefühle und Bedürfnisse besser ausdrücken und Konflikte friedlich lösen. Meist gewinnen meine Klienten insgesamt eine kooperative Grundhaltung in der Gestaltung von Beziehungen.

Umfangreiche Informations- und Arbeitsunterlagen erhalten meine Klienten während der gesamten Therapie. Diese verstärken den gesamten Veränderungsprozess zusätzlich. Außerdem können meine Klienten von jeder Therapiestunde eine Tonaufzeichnung in hochwertiger Qualität erhalten und zwar direkt nach Stundenende.
Fast alle meiner Klienten nutzen diese Möglichkeit und fast immer höre ich: „In einer Therapiestunde geschieht so enorm viel! Wenn ich die Aufnahme nicht hätte, würde ich viel zu viel verpassen und vergessen. Die Tonaufnahme und das spätere Abhören machen jede Therapiestunde doppelt so effizient!”
Alle Informations- und Arbeitsunterlagen und auch die Tonaufahme sind in meinem Stundensatz enthalten. Lediglich die Schema-Fragebögen mit ihrer aufwendigen Auswertung muss ich gesondert berechnen.

Schemabasierte Beratung: Ein breites Anwendungsspektrum

Aus dem bis hierher Gesagten wird deutlich, dass das Anwendungsfeld der Schematherapie außerordentlich breit ist. Denn fast immer geht es in der Therapie darum, ungünstige und wenig erfolgversprechende Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien bewusst zu machen und deren Ursprünge herauszufinden. Anschließend wird der Klient dabei begleitet, neue Verhaltensweisen zu entwickeln, die seinen Fähigkeiten und seinen idividuellen Bedürfnissen besser entsprechen und im sozialen Miteinander, in der Beziehungsgestaltung, erfolgreich sind.

Schematherapie bei Traumatisierung und Traumafolge-Problemen

Äußerst starke Automatismen können auftreten, wenn das Schema eine Traumatisierung beinhaltet hat. Unter Traumatisierung versteht man eine extreme Überforderungssituation, in der die neuronalen und emotionalen Möglichkeiten des Betroffenen nicht zur angemessenen Verarbeitung ausreichten. Das traumatisierende Geschehen wurde dann meist in voneinander getrennten Bruchstücken gespeichert ohne die Verbindungen untereinander.
Mit einer solch bruchstückhaften Information kann das Gehirn auch im Nachhinein keine assoziativen Verbindungen herstellen und das Geschehnis konstruktiv bewerten, einordnen und verarbeiten. So reicht ein bestimmtes Geräusch oder ein Geruch aus, das traumatische Ereignis wach zu rufen, so als würde sich das damalige Geschehen heute wieder ereignen. Und die damaligen Reaktionen und Verhaltensweisen können auch heute wieder auftreten.

Bei der Bearbeitung von Traumata und Traumafolgen können die Imaginationstechniken, die in der Schematherapie sowieso schon meistens zum Einsatz kommen, in einer Art und Qualität eingesetzt werden, wie es aus der Psychoimaginativen Traumatherapie (PITT) von Luise Reddemann bekannt ist. Zur Stabilisierung in den Imaginationen kann auch EMDR (nach Francis Shapiro) eingesetzt werden.

Spezialisierungen der Schematherapie / AD(H)S

Inzwischen wurden auch Spezialisierungen innerhalb der Schematherapie entwickelt, wie z.B. die schemabasierte Beratungsarbeit und die Schematherapie für Kinder und Jugendliche. Gerade letztere dürfte in Zusammenhang mit dem Phänomen „AD(H)S” äußerst hilfreich sein! –

Dieses breite Anwendungsfeld für die Schematherapie erklärt, warum ich mich dazu entschlossen habe, keinen Unterschied zwischen Beratung und Therapie zu machen. Meine Beratungsarbeit geht stufenlos in therapeutische Arbeit über und umgekehrt. Dies ist ideal für Heilpraktiker der Psychotherapie, weil nur sie in der Wahl der Methoden frei sind. Psychotherapeuten sind im Rahmen der Sozialversicherungen an die drei Richtlinienverfahren gebunden und dürfen Beratung nur gegen Selbstzahlung anbieten.
Und Schematherapie wird nur dann als Verhaltenstherapie anerkannt und von den Kassen bezahlt, wenn sie streng nach verhaltenstherapeutischen Vorstellungen durchgeführt wird. Damit sind viele creative Gestaltungsmöglichkeiten, die ich einsetze, für Psychotherapeuten nicht realisierbar, weil die Kasse nicht zahlen wird.

Schematherapie = Tiefenpsychologie + Verhaltenstherapie + Methodenvielfalt

Praxis der Achtsamkeit – eine Grundlage mit vielfältigem Nutzen

Grundsätzlich empfehle ich meinen Klienten, die „Praxis der Achtsamkeit” zu erlernen. Sie beruht auf einer besonderen inneren Grundhaltung der nicht wertenden, puren Beobachtung und der aufmerksamen Wahrnehmung von allem, was ist.
Fast immer gelingt es meinen Klienten, mit Hilfe der Achtsamkeit ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse besser wahrzunehmen, die Intensität von Gefühlen regulieren zu können, damit sie nicht übermächtig werden und die Klienten erschließen sich eine neue Wahrnehmung ihrer eigenen Identität und Persönlichkeit. Diese Veränderungen und diese geschärfte Wahrnehmung erleichtert und vertieft den gesamten therapeutischen Prozess.

Kreativ-Therapie: Wenn Worte allein nicht reichen…

Manchmals fehlen meinen Klienten die Worte, um zu beschreiben, was in ihnen vorgeht. Und manchmal sind Worte einfach unpassend, weil man manche neuen Erfahrungen nur durch Ausprobieren im geschützten Raum der Praxis machen kann. Dann hilft die eigentlich recht anschauliche Struktur und das leicht nachvollziehbare Modell der Schematherapie nicht weiter. – Hier setze ich kreativ-therapeutische Methoden ein wie z.B. Kunst- oder Tanztherapie oder andere erlebnisorientierte Angebote. Hier orientiere ich mich an den Arbeiten von Udo Baer mit seiner Zukunftswerkstatt Therapie Kreativ.
Die Methodenvielfalt der Schematherapie erweitere ich durch die Vielfalt der Kreativ-Therapie und kann deshalb innerhalb einer Therapiestunde die individuell für den Klienten am besten passende Methode vorschlagen.

Psychoedukation der Schematherapie: Therapeut und Klient auf gleicher Augenhöhe

Viele Klienten sind in ihrem bisherigen Leben beschämt und abgewertet worden: Man hat ihnen vermeintliche oder tatsächliche Schwächen oder Unzulänglichkeiten vorgeworfen und ihre Würde verletzt. Und jetzt sind sie in einer Lebenssituation, wo sie die Begleitung eines Therapeuten in Anspruch nehmen müssen. Da besteht oft vor der ersten Begegnung mit dem Therapeuten eine Angst, sich in ähnlicher Weise wie damals beschämt zu fühlen, eben weil man sich schwach und hilflos fühlt, sein eigenes Leben nicht „in den Griff zu bekommen”.

Um diese Angst vor Beschämung so schnell wie möglich zu überwinden, zeige ich meinen Klienten, dass ich sie als kompetent in ihrer eigenen Sache ansehe. Sie erhalten von mir alle Informationen über die psychischen Wirkungsmechanismen, die Schwierigkeiten und Leid verursachen. Zusätzlich stelle ich zahlreiche Arbeitsmaterialien bereit, die die Erkenntnisprozesse und die Umsetzung der Erkenntnisse im Alltag fördern. Das alles ermöglicht ein angenehmes, partnerschaftliches Arbeiten „auf gleicher Augenhöhe” statt distanziertem Experten-Gehabe. Die Folge:
Meine Klienten erleben sich nicht länger als schwach oder unzulänglich, sondern als Experten in eigener Sache – als selbstwirksam und zuversichtlich, ihre Schwierigkeiten überwinden zu können

meine besondere therapeutische Sichtweise als Schlussfolgerung aus der Schematherapie

Ich bin der Ansicht, dass mindestens 80% aller psychischen Schwierigkeiten (falls sie nicht durch körperlich-organische Schäden verursacht sind) ihre Ursachen in Kindheit und Jugend haben. In dieser Lebensphase sind Menschen sehr verletzlich, weil sie ihre emotionalen,  intelektuellen und körperlichen Fähigkeiten erst noch entwickeln. Die Schematherapie entstand mit der Erkenntnis, dass diese Entwicklung nur gelingt, wenn die menschlichen Kernbedürfnisse erfüllt werden.

Je stärker Verletzungen erlebt wurden und je weniger angemessene Anleitung gegeben wurde, desto größere Probleme entstehen daraus. Denn es können wichtige Schritte zur Entwicklung der Persönlichkeit und der Fähigkeiten nicht gemacht werden.

Es geht nicht um „normal” oder „gestört”, sondern um Fähigkeiten und Verarbeitung

Das ganze Ausmaß der Folgen zeigt sich oft erst im Erwachsenen-Alter, manchmal sogar erst mit 40 oder 50 Jahren!
Die Schematherapie hat zum Ziel, die nicht geglückte Entwicklung durch Therapie und dann die fehlgeschlagene Verarbeitung von Erlebnissen nachzuholen.  Genau dieser Ansatz veranlasst mich zu der Schlussfolgerung:
Therapie sehe ich weniger als Behebung von „Störungen” oder „Krankheit” oder von „Anormalität”, sondern als Nachschulung oder Nachentwicklung von Fähigkeiten für's Leben!

Mit dieser Sichtweise vermeide ich zugleich die sonst notwendige Unterscheidung zwischen „Normal” und „Gestört” und vergebe auch keine diagnostische Etiketten. Psychische Diagnosen führen meiner Erfahrung nach in unserer übermäßig leistungs- und perfektions-fokussierten Gesellschaft schnell zur Stigmatisierung, zur Ausgrenzung, zu Beschämung und Beschädigung des Selbstwerts.

meine Sichtweise ist keine Verharmlosung von schweren Symptomen!

Mit dieser Sichtweise möchte ich aber keineswegs die oft sehr beeinträchtigenden Probleme der Menschen verharmlosen! Wer (wie ich selbst damals) BurnOut und eine schwere Depression erlebt, wer sich Zwängen oder Ängsten machtlos ausgeliefert sieht oder wer Flashbacks aus traumatisierenden Gewalterlebnissen erleidet, der könnte sich damit eventuell nicht angenommen oder ernst genommen fühlen.

Tatsächlich sind aber alle diese Erlebnisse (Symptome) lediglich sichtbar gewordene, misslingende Bewältigungsstrategien oder Folgen der meist lange zurück liegenden Ursachen und demnach kein Zeichen einer „Störungen” oder „Krankheit”. Die meisten Menschen, die schwer erträgliche Dinge erlebt und erlitten haben, würden die ein oder andere Auffälligkeit in ihrem Denken, Fühlen und Verhalten zeigen.
Symptome sind folglich ganz natürliche „normale” Reaktionen auf das Erlebte, das unverarbeitet geblieben ist, weil zur Verarbeitung die nötigen Fähigkeiten nicht ausgereicht haben. Diese Fähigkeiten können in der Schematherapie nach-entwickelt werden und dann die angemessene Verarbeitung des Erlebten nachgeholt werden.

Weitere Informationen zur Schematherapie

Einen treffenden Artikel über Schematherapie fand ich im Spiegel hier

Im Deutschland-Radio fand ich ein Interview mit einem der bedeutenden Psychotherapeuten Deutschlands in Sachen Schematherapie, Herrn Dr. Eckhard Roediger.

Im folgenden Ausschnitt erklärt Herr Dr. Eckhard Roediger die drei Grund-Elemente der Schematherapie:

Und hier zeigt Herr Dr. Eckhard Roediger, welche Bedeutung die „Praxis der Achtsamkeit” für die Therapie und die Schematherapie hat: