Ein (psychisches) Trauma kann durch einen Unfall, eine (Natur-) Katastrophe oder durch Gewalt durch andere Menschen entstehen. Das Wort Missbrauch (eines Menschen) hasse ich, weil es von der Wortbedeutung her falsch ist und den Eindruck erweckt, als gebe es auch einen Gebrauch (eines Menschen). Diese Verfälschung ist gefährlich, weil tatsächlich immer Gewalt ausgeübt wird und keinesfalls ein „Missbrauch”! Gebrauch oder Missbrauch ist nur bei Gegenständen / Materie möglich. – Gewalt kann psychisch, körperlich oder sexuell betont sein und kann ein Trauma bewirken.

In diesem Beitrag gehe ich auf psychische Traumatisierungen durch Unfälle oder Naturkatastrophen usw. nicht ein, sondern betrachte nur Traumatisierung durch die Gewaltanwendung durch andere Menschen.
Ich schreibe diesen Beitrag auf der Grundlage eigener Erfahrungen von psychischer und körperlicher Gewalt im Kindes- und Jugendlichenalter und auf Grundlage meines erworbenen therapeutischen Fachwissens.

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Was ist ein Trauma bzw. eine Traumatisierung?

Ein erlebtes Trauma (massiv verletzendes Ereignis, das derart bedrohlich empfunden wird, dass die entstehenden Gefühle und Sinneswahrnehmungen nicht mehr verarbeitet werden können) führt zu Folge-Erscheinungen, die als Traumatisierung bezeichnet wird. Bleiben die Folge-Erscheinungen als erlebtes Leid und Auffälligkeiten im Denken, Fühlen und Verhalten über längere Zeit bestehen, so wird dies in der ICD-10 als „Posttraumatische Belastungsstörung” bezeichnet.
Wie in meinen bisherigen Beiträgen unter der Rubrik Diagnosen kann ich nicht oft genug betonen, dass ich auch diese Sichtweise für falsch halte: Denn auch hier wird mal wieder eine ganz normale menschliche Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis als Störung bezeichnet. Der Betroffene leidet dadurch nicht nur an den Traumafolgen, sondern zusätzlich darunter, dass er als gestört und somit als „krank” etikettiert wird.

Trauma durch ein traumatisches Einzel-Ereignis (Typ I)

Ein Trauma entsteht immer dann, wenn ein Mensch eine äußerst bedrohliche Situation in völliger Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit für sich selbst oder bei anderen Menschen in einer derart extremen Intensität erlebt, sodass seine psychischen Verarbeitungs- und Bewältigungsmöglichkeiten überfordert sind. Hieraus entsteht eine tiefreichende Erschütterung des eigenen Selbst und der Beziehung zur Umwelt. Solch ein einzelnes extremes Erlebnis nennt man Trauma Typ I.
Die Folge ist meistens, dass die als traumatisch erlebte Situation, deren Akteure, die Handlungsabläufe, die zugehörigen Sinneswahrnehmungen sowie die Gefühle vom Gehirn nur bruchstückhaft und nicht mehr in einem sinnvollen Zusammenhang als Erinnerung gespeichert werden.

Erlebt der Betroffene später eine Situation oder nimmt etwas wahr, das eine Erinnerung an das Trauma auslöst (Trigger), entsteht ein  Übererregungszustand. Dieser Über-Erregungszustand beruht auf einer Fehlbewertung, aufgrund der der Betroffene glaubt, dass die damalige traumatisierende Situation jetzt erneut wieder erlebt werden müsste.
Jedes menschliche Gehirn arbeitet assoziativ und vergleicht ständig die neuen Wahrnehmungen und Sinneseindrücke mit den bereits gespeicherten Erfahrungen der Vergangenheit, nimmt auf dieser Grundlage automatisch, reflexhaft und blitzschnell Bewertungen vor, um daraus konstruktive, erfolgversprechende Handlungensentscheidungen zu treffen.
Leider sind die zu einem Trauma gespeicherten Informationen nur in Fragmenten vorhanden, sodass die assoziative Arbeitsweise des Gehirn schon von Anfang an versagen muss. Als Folge dieses „Versagen” strengt sich das Gehirn sozusagen noch mehr an. Es gerät in Überforderung und damit in einen Über-Erregungszustand.

Therapiemöglichkeiten

Aufgabe der Therapie ist es, dass der Klient als erstes erlernt, sich bei dem plötzlichen Auftauchen von Erinnerungs-Bruchstücken (Flash-Backs) zu distanzieren und zu stabilisieren. So fühlt er sich nicht länger den Flash-Backs hilflos ausgeliefert, sondern erlebt sich zunehmend als selbstwirksam und fähig, zunehmend wieder die Kontrolle zu gewinnen. Damit nimmt auch der Mut zu, sich dem eigentlichen Trauma-Inhalt im schützenden Rahmen der Therapie zu stellen.

Im Gegensatz zu Therapie-Ansätzen, bei denen die ganze traumatische Situation wieder erlebt und erlitten werden soll, arbeite ich im weiteren Verlauf der Therapie so, dass es völlig ausreicht, wenn der Klient die einzelnen FlashBack-Fragmente erkennt und aus genügender Distanz wie bei einem Puzzle zusammen setzt, ohne dass dabei das Bild zu scharf und eindringlich wird.
Anschließend erarbeiten wir, welche Bedeutung der Klient dem traumatischen Geschehen damals gegeben hat, überprüfen wie realistisch diese Einschätzung, sowie die Schlussfolgerungen, die er für sich daraus gezogen hat, sind und wie er das Ganze aus heutiger Sicht bewertet.

Durch diese Bearbeitungsschritte nimmt die Spannung ab, die mit den sich aufdrängenden Erinnerungen verbunden ist. Zugleich verringert sich die Empfindlichkeit gegenüber Wahrnehmungen, die traumatische Erinnerungen auslösen. Damit wird der dritte Schritt möglich, in dem durch eine Imagination (die evtl. durch EMDR-Technik stabilisiert wird), die Verletzung und die Ursache der inneren Spannung drastisch verringert und wenn möglich, ganz aufgehoben wird. Dadurch kann der Klient das traumatische Ereignis als eine Erinnerung von vielen und als Teil dessen, das nicht ungeschehen gemacht werden kann, abschließen.
In der abschließenden Therapiephase geht es darum, das Erlernte im Alltag in bisher auslösenden Situationen erfolgreich einzusetzen.

Traumatisierung durch eine länger anhaltende Ereignisse / Einflüsse (Typ II)

Eine Trauma kann aber auch durch eine länger anhaltende Folge von traumatiserenden Ereignissen und Einflüssen (=Trauma Typ II) entstehen. Dies ist besonders häufig bei psychischer Gewalt und auch bei körperlicher Gewalt zu beobachten, die z.B. innerhalb einer Familie oder in einer Gemeinschaft / Sekte usw. oder in Gefängnissen (besonders bei Isolationshaft, Folter usw.) stattfindet.

So kann z.B. eine bestimmte, ganz natürliche Verhaltensweise oder Reaktion eines Menschen von der traumatisierenden Autorität schwer bestraft werden. Die Motive sind dabei meist, dass die Autorität totale Macht und Kontrolle ausüben möchte oder Lust am Quälen anderer hat oder dass z.B. in Gefängnissen ein Mensch psychisch zerstört werden soll, um z.B. diese Zerstörung als Abschreckung und Drohung im Sinne des Macht-Erhalts eines Systems verwenden zu können.

Die Traumatisierung erfolgt immer durch das Erzeugen einer übermächtigen Angst davor, dass es um den eigenen Untergang oder Tod geht und somit die eigene Existenz auf dem Spiel steht. Die übermächtige Angst kann auch erzeugt werden, indem der massive Eindruck erzeugt wird, dass eine schreckliche Zukunft oder der Untergang und Tod in Zukunft bevor steht und gewiss keine Aussicht auf einen günstigeren Ausgang besteht.

Eine Traumatisierung des Typ II kann auch bei Menschen entstehen, die unter massivem Mobbing leiden mussten! Diese Ansicht entspricht nicht der „offiziellen Lehrmeinung”, obwohl Ursache und Auswirkung ganz offensichtlich sind.

Menschen, die auf diese Weise gequält worden sind, leiden unter eine Vielzahl von unrealistischen Bewertungen sich selbst und anderen Menschen gegenüber, haben oft eine verzerrte Wahrnehmung der Realität und weisen zahlreiche Verhaltensauffälligkeiten auf. Erschwert wird eine Therapie meist dadurch, dass die Fähigkeit, anderen Menschen vertrauen zu können, zutiefst erschüttert worden ist. Denn grundsätzlich könnte jeder andere Mensch ebenso handeln, wie die Täter während der Zeit der Traumatisierung.

Auch beim Trauma dieser Art können FlashBacks auftreten und schlagartig Erinnerungen geweckt werden, die dann derart realistisch und überwältigend erlitten werden, als müsse die damailge Szene erneut durchlebt werden. Im Gegensatz zum Typ-I-Trauma ist aber der Zusammenhang der Erinnerung erhalten.

Therapiemöglichkeiten

Die Therapie dieser Traumatiserung benötigt meist viel Zeit, denn es müssen alle damals erlernten Denk- und Verhaltensmuster (Schemata) in Bezug zum heutigen Alltags-Erleben gesetzt werden, so weit dieser heutige Lebensalltag beeinträchtigt ist. Die alten Muster müssen verlernt und der Klient erkennt neue, individuell zu ihm passende Möglichkeiten, flexibel den Alltag zu gestalten und mit Situationen flexibel umzugehen, die alte Erinnerungen herauf beschwören. – Für diese therapeutische Arbeit eignet sich die Schematherapie nahezu ideal!

{silder Mehrfach-Traumatiserung / komplexe Traumatisierung}

Diese liegt vor, wenn sowohl eine Traumatiserung von Typ 1 als auch von Typ II entstanden ist. In tiefem Mitgefühl und Berührtheit denke ich hier an Menschen aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, speziell Syrien, Irak, Kurdenrepublik… Die ständig andauernde Angst und Bedrohung des eigenen Lebens und das der geliebten Menschen (Typ II-Trauma) und plötzliche Ereignisse, wie z.B. Augenzeuge zu werden, wie Menschen grausamst zu Tode kommen (Typ I-Trauma). – Wer soll all diesen schwer traumatierten Menschen die erforderliche therapeutische Hilfe zukommen lassen? Auch mit viel Geld ist dies nicht möglich, weil erst einmal genügend Therapeuten hierfür ausgebildet werden müssen.

Eine ganze Generation eines Volkes erleidet sozusagen kollektiv diese Traumatisierung und erhält keine Hilfe zur Bewältigung! Die Trauma-Folgen werden so von Generation zu Generation weiter gegeben. Gerade wir Deutschen sollten uns bewusst sein, dass bestimmte Lebens-Grundhaltungen, die man „den Deutschen” so nachsagt, mit den Traumafolgen aus mindestens zwei entsetzlichen Weltkriegen zusammen hängen und auch heute noch kollektiv prägend sind! (siehe hierzu auch Arbeiten von Luise Reddemann)

Therapie-Problem: Therapieplatz und Finanzierung!

Die Therapie ist nicht nur für den Klienten, sondern auch für den Therapeuten anspruchsvoll. Ich weiß aus eigener Erfahrung und auch aus Berichten meiner Klienten, dass zahlreiche Psychotherapeuten solche Therapien nicht übernehmen wollen. Aufgrund eigener Recherche und Nachfrage bei zwei mir vertrauten Psychotherapeuten ist mir bekannt, dass es im ganzen Kreis Rottweil nur eine einzige Psychotherapeutin mit Kassenzulassung gibt, die Klienten mit derartigen Problemen therapiert. Die Warteliste umfasst dauerhaft 2 Jahre und wird deshalb inzwischen nicht mehr geführt.

Wenn Menschen durch solch schreckliche Erlebnisse gehandicapt im Leben stehen und sich z.B. keine ihren Potenzialen gemäße Ausbildung und Beruf erschließen konnten, bestehen meist nur geringe finanzielle Spielräume. Mich macht es traurig und es berührt mich zutiefst, dass eine Therapie in meiner Praxis dann auch bei drastisch reduziertem Stundensatz nicht möglich ist. In Zeiten einer besseren Auslastung meiner Praxis wäre ich bereit, ein oder zwei Klienten „querfinanziert” zu therapieren. Aber das hat nicht die nötige Langzeit-Stabilität.

Chance für Betroffene von familiärer Sexueller Gewalt in Kindheit / Jugend!

Eine Möglichkeit für Klienten, deren Probleme auf sexueller Gewalt in Kindheit oder Jugend beruhen und die sich innerhalb der Familie ereignet hat, besteht über den „Fonds Sexueller Missbrauch”. Dort können sie Mittel beantragen, die auch für eine Therapie in meiner Praxis einsetzbar sind. Derzeit können Anträge gestellt werden.

Leider beträgt die Bearbeitungszeit über 1 Jahr ab Antragstellung. So lange können die Menschen nicht warten! Deshalb bin ich bereit, die Therapie vorzufinanzieren, sofern wir gemeinsam vor Therapiebeginn den Antrag beim Fonds stellen und ich bei dessen Auszahlung das vorfinanzierte Honorar erhalte! Bis zur Auszahlung des Fonds arbeite ich dann zu einem extrem reduzierten Stundensatz von 25 Euro.
Mehr hierzu finden Sie auf meiner Website: »Therapie gegen Gewalt«

Das könnte Ihr nächster Schritt sein:

Vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch mit mir in meiner Praxis: Tel.: 0741 - 440 74 67 — Falls Sie den Anrufbeantworter erwischen, bitte ich Sie, eine Nachricht mit Ihrer Rufnummer zurück zu lassen und einen Terminwunsch anzugeben, wann ich Sie am besten telefonisch erreichen kann. Ich rufe schnellstmöglich zurück!
Terminvereinbarungen per eMail sind nicht möglich, da zu einer effizienten Terminvereinbarung ein persönlicher Dialog gehört.