Ich spreche hier nicht über „Positives Denken” und ähnlichen nicht funktionierenden Unsinn. Ich spreche von Wertschätzung den vielen, scheinbar kleinen Dingen gegenüber, den scheinbaren Selbstverständlichkeiten, den vielen unbewusst genutzten Annehmlichkeiten. Wenn ich richtig hinsehe, kann ich mich daran erfreuen, ja geradezu begeistern. Diese Bewusstheit kann mich in dunkleren Zeiten trösten und mir aus Stimmungslöchern heraus helfen und mein Leben mit Genuss bereichern. Vielleicht nützen auch Ihnen die folgenden Ansichten?

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Noch vor rund 8 Jahren verlief mein Tagesbeginn ungefähr so:

Der Wecker piepst durchdringend. Ich werde wach. Erster Gedanke: Schei…! Ich bin noch sooo müde und möchte noch schlafen. Zweiter Gedanke: Ich hab sooo viel zu erledigen heute, ich darf nichts vergessen und nichts falsch machen.
Um keine Zeit zu versäumen, springe ich aus dem Bett. Ich stoße gegen mein Bücherboard. Alle Bücher auf dem Boden. Mist, das bedeutet Zusatzarbeit und Zeitaufwand, den ich mir nicht leisten kann. Schnell in die Küche, Kaffe aufsetzen. Mist! Die Kaffeemaschine müffelt: ich hab die Maschine gestern vergessen auszuschalten. Telefon! Der erste Kunde ruft an, fragt wo die E-Mail mit den Entwürfen und Musterfotos bleibt. Schöööön freundlich bleiben! Coole Maske aufsetzen und antworten… 
Das Frühstück bleibt ohne Eier, vergessen, einzukaufen… Mist! Computer hoch fahren und Mails abrufen, dazwischen der erste Schluck Kaffee. Der Magen rebelliert. — Ich erspare Ihnen die Beschreibung des weiteren Tagesverlauf, verrate Ihnen aber: Es wurde gewiss nicht besser!

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Heute gelingt es mir immer besser, so in den Tag zu starten:

Ein angenehm sanfter Weckton beendet meinen Schlaf. Weil ich früh zu Bett gegangen bin, kann ich früh aufstehen und es ruhig angehen lassen. Ich liege ruhig da und konzentriere mich auf meinen Körper, fühle die Wärme, die Berührung mit der Decke, meine Schwere auf der Matratze, beobachte, wie ich atme.
Vielleicht fällt mir ein, dass dieses leichte Atmen nicht selbstverständlich ist. Zum Beispiel für jemanden auf der Intensivstation — leichtes Atmen wäre ein Geschenk des Himmels für ihn. Ich bin  dankbar, dass ich mein unbeschwertes Atmen genießen kann.
Ich spüre meine Arme, meine Beine und kann sie mühelos bewegen. Auch das ist ein Geschenk. Ich werde älter und vielleicht ist es irgend wann nicht mehr so mühelos! Ich empfinde Dankbarkeit dafür.
Ich öffne die Augen und sehe klar und farbig die kleine Welt meines Schlafzimmers. Mir wird bewusst, wie viele Menschen gar nicht oder wenig sehen können. Oder gar kein Dach über dem Kopf haben. Welche Kostbarkeit!
Ich stehe auf, genieße es, eine schöne Wohnung zu haben, freue mich über die Wärme der Heizung, gehe ins Bad, öffne den Wasserhahn, aus dem sauberes Trinkwasser kommt — sogar in fast jeder gewünschten Temperatur! Der Wert wird mir besonders stark bewusst, wenn ich daran denke, dass dies für die meisten Menschen weltweit ein unvorstellbarer Luxus ist.
Im Kühlschrank wartet die Butter, leckere Marmelade, Eier, Weckle zum Aufbacken. Nicht nur satt werden, sondern sogar genießen! Langsam, bewusst, achtsam!

Wenn jetzt —so wie damals— ein Kunde anrufen und die Zusendung seiner Entwürfe und Fotos anmahnen würde, hätte ich jetzt eine freundlich wohlwollende Grundstimmung, mit der ich ihm ohne jede Falschheit und Verstellung antworte — und keine zur Schau getragene Fassade. Eine Grundlage für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen.

In der Achtsamkeit, der daraus folgenden Bewusstheit und der entstehenden Wertschätzung für die vielen alltäglichen, einfachen Dinge des Lebens entsteht meine Dankbarkeit. Und darin liegt für mich der Schlüssel zu Freude und Glück.

Ich habe die Freiheit der Wahl, wie ich die Welt betrachte

Indem ich mir bewusst bin, dass ich die Freiheit der Wahl habe, übernehme ich zugleich die Verantwortung für meine Stimmung. Mit meiner freien Entscheidung, meine Aufmerksamkeit, Wertschätzung  und Dankbarkeit all den vielen kleinen Annehmlichkeiten zu schenken, die mir das Leben jetzt gerade im Moment bietet, ändere ich Gewaltiges!
Denn wenn ich die „kleinen Dinge” des Lebens nicht wirklich bewusst wahrnehme, nicht als erfreulich erleben und wertschätzen kann, wird mir dies mit den scheinbar „großen Dingen” im Leben ebenfalls nicht gelingen. Oder anders gesagt: meine Einstellung, meine Grundhaltung bestimmt viel stärker, wie ich mein Leben wahrnehme, als der materielle Besitz oder die Menge und Größe von Annehmlichkeiten, die mir zur Verfügung stehen! Meine Einstellung, meine Grundhaltung bestimmt, ob ich mein Leben überhaupt genießen kann! So entziehe ich mich zugleich der Manipulation durch die Konsumwelt unseres Gesellschaftssystems.

Außerdem sagt mir meine Aufmerksamkeit, dass das, was ich gerade so genieße, schon im nächsten Augenblick verloren gehen kann. Denn es gibt keine Garantie auf Glück im Leben, keinen Anspruch auf ein bestimmtes Niveau der Lebensumstände und nicht mal einen Anspruch auf Gesundheit oder eine bestimmte Spanne an Lebenszeit. Ein alltäglicher Verkehrsunfall, ein Naturereignis oder eine Krankheit können von jetzt auf gleich alles verändern.
So ergänze ich denn die Achtsamkeit und Dankbarkeit den vielen Annehmlichkeiten des Lebens gegenüber mit der Bereitschaft, auch das Hinzunehmen, was unvermeidbar ist und ebenfalls zum Leben dazu gehört: Dinge und Lebensumstände, die bedrückend und belastend sind. Diese innere Einstellung ist wunderbar schlicht ausgedrückt im sogenannten Gelassenheitsspruch.

Es ist ein langer Weg, der nicht endet – spannend bis zum Schluss

Und, ehe ich es vergesse: Es ist der Weg einer Entwicklung, auf dem es mir ganz langsam immer besser gelingt, diese innere Stimmung der Achtsamkeit, der Wertschätzung, der Liebe und der Gelassenheit ständig neu zu erzeugen und zu leben. Ich habe erst ab Anfang 2008 damit begonnen und freue mich jedes Mal sehr, wenn es mir gelungen ist, einen Tag so zu beginnen und diese Bewusstheit, diese Achtsamkeit vielleicht sogar über Stunden zu halten. Ich übe daran an jedem Tag! Mal gelingt es mir besser, mal sogar fast gar nicht!

Wenn ich diese Einsichten schon früher gehabt hätte, wäre mir vielleicht der Weg durch Depression und BurnOut hindurch erspart geblieben. — Andererseits bin ich froh darüber, wie es jetzt ist. Denn nun kann ich meine Erfahrungen, und das, was mir geholfen hat und mir immer noch hilft, im Rahmen meiner Lebenslust-jetzt!-Angebote an andere Menschen weiter geben.

Es geht nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen!

Mir geht es nicht darum, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, deren Lebensumstände ungünstiger sind, um sich selbst dann besser fühlen zu können. Ein nicht vergleichender, sondern ein objektiver, nicht wertender, einfach nur kenntnis-nehmender Blick auf die ungünstigeren Lebensumstände manch anderer Menschen bestätigt mich darin, nichts im Leben als selbstverständlich anzunehmen oder gar einzufordern und in der Haltung, dass ich vielen Dinge, die ich früher als „selbstverständlich und alltäglich” angesehen habe, mit mehr Achtsamkeit und Wertschätzung begegne und dass ich Dankbarkeit empfinde. Das sehe ich als echten Luxus an, der zudem nichts kostet, als nur die innere Haltung der Achtsamkeit.