Oft erhalte ich Anfragen, ob ich auch mit dieser oder jener Methode arbeite oder was ich von der Methode X oder Y halte. Jedes Mal gebe ich mir doch Mühe, eine Antwort zu schreiben. Aber das kostet meine wertvolle Zeit. da ist es doch einfacher, ich beantworte durch diesen Beitrag die meisten solcher Anfragen.
Übrigens: mir geht es hier nicht darum, Methoden anderer Anbieter schlecht zu reden oder sonstwie zu diskreditieren, sondern um meine klare, fachlich fundierte Meinungsäußerung!

Bitte klicken Sie auf die Überschriften, um den zugehörigen Textabschnitt zu lesen!

Hypnose, Hypno-Therapie zur Raucherentwöhnung, zum Abnehmen usw.

Unter dieser Bezeichnung wird ein großes Spektrum von Leistungen angeboten, angefangen von einer Tiefen-Entspannung bis hin zu aktiver therapeutischer Arbeit. Dass Tiefen-Entspannung und Meditation artverwand sind und dass »Autogenes Training« und »Praxis der Achtsamkeit« auch in eine Tiefen-Entspannung führen können, ist sicher bekannt. Warum einige Anbieter solche Tiefen-Enstpannung mit dem Begriff »Hypnose« belegen, kann ich nur als Marketing-Strategie verstehen. Denn „Hypnose” scheint zurzeit gerade „In” zu sein.

Kritisch betrachte ich die Hypno-Therapie wenn sie in folgendem Sinne angewendet wird:

Der Hypno-Therapeut bringt den Klienten / Patient in einen tiefen Entspannungszustand und bearbeitet die anstehende Problematik – teils unter eingeschränkt aktiver Mitwirkung des Klienten. Fest steht, dass ein beträchtlicher Teil der therapeutischen Wirkung auf der unbewussten Ebene abläuft, denn sonst würde man das Gleiche ja auch ohne Hypnose-Zustand durchführen können. Außerdem werden durch die Hypnose unbewusste Widerstände des Patienten gegen das zu klärende Thema durch die Hypnose überwunden.

Die Hypnose öffnet den Zugang zu Teilen des Unterbewusstseins, wobei der Klient nur durch das Maß seiner Folgsamkeit in den Vorgang beiträgt. Auch die dann folgende Beeinflussung der Problematik wird im Wesentlichen durch den Therapeuten gesteuert, sowohl inhaltlich, als auch von der Geschwindigkeit des Vorangehens.

Ursache für Problematik nicht behoben, sondern nur zugedeckt

Die Ursache einer Problematik wird daher nicht durch einen aktiven und bewussten Vorgang des Klienten / Patienten hervorgeholt und auch nicht deren Bearbeitung und Auflösung. Die Bearbeitung erfolgt eher, ähnlich wie bei vielen verhaltenstherapeutischen Methoden, durch Einprägungen alternativer fördernder Verhaltensweisen und Deaktivierung dysfunktionaler Motivationskräfte.

Genau aus diesen Gründen sind aber die Ursachen nicht behoben, sondern nur mehr oder weniger wirksam deaktiviert. Und genau deshalb kann es sein, dass sich die Ursache durch Symptome in anderen Bereichen bald wieder zeigt — oftmals in viel beeinträchtigenderer Weise, als zuvor!

Der Klient erlebt sich nicht als selbstwirksam, sondern eher als „behandelt”

Ferner erlebt sich der Klient / Patient einer Hypnosetherapie nicht als derjenige, der aus eigener Kraft die Macht und Selbstwirksamkeit hatte, seine Problematik aufzuheben, weil genau dieser bewusste Erkenntnisprozess in mehr oder weniger großen Teilen unbewusst ablief. Zudem kann er für diejenigen Teile, die der Hypnotherapeut steuert und auslöst, keine Verantwortung übernehmen.

Der Klient wird mit seinen unbewussten Bedürfnissen übergangen und nicht respektiert

Und schließlich ist aus der neueren Tiefenpsychologie bekannt, dass der Klient / Patient sehr gute Gründe dafür hat, wenn ihn innere Widerstände daran hindern, ein bestimmtes Thema und dessen Ursachen therapeutisch bearbeiten zu wollen. Vielleicht ist er zurzeit innerlich nicht stabil genug, diese Bearbeitung zu ertragen? Vielleicht muss er zunächst andere Themen aufarbeiten?
Vielleicht benötigt der Klient / Patient die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Aufarbeiten anderer, zurzeit vorrangiger Themen, um dann endlich auch das vorschnell angegangene Thema klären zu können? — All diese Gesichtspunkte werden einfach und rücksichtslos übergangen, wenn man glaubt, „mal eben schnell” etwas mit Hypno-Therapie auflösen zu können! Und das sehe ich als verantwortungslos an!

Dagegen begründen sich ursächlich wirkende Methoden darauf, dass der Klient die echten Ursachen für seine Schwierigkeiten erkennt und dann seine Veränderungsprozesse so bewusst wie möglich vornimmt und selbst bewusst steuert. Nur so erfährt er sich als selbstwirksam und übernimmt für alle Schritte die volle Eigenverantwortung. Und immer bestimmt der Klient selbst, was und wie viel er bearbeiten will!

Am konkreten Beispiel wird dies deutlich:

Besonders gerne bieten die sogenannten Hypnotherapeuten Raucherentwöhnung oder Gewichtsreduktion an. Dabei wird nicht bearbeitet, welche Ursachen und Antriebskräfte denn zum Rauchen oder zum übermäßigen Essen geführt haben. Folglich werden die Ursachen nicht beseitigt! Rückfälle oder Verlagerung der Antriebskraft auf andere Gebiete sind daher wahrscheinlich: Aus dem frisch gebackenen Nichtraucher könnte ein übermäßiger Esser oder ein Alkoholiker oder ein Spielsüchtiger werden.

Meine Arbeitsweise wäre, den Klienten / Patienten danach zu fragen: „Wofür brauchst du dieses Verhalten (Rauchen, übermäßiges Essen, Internetsucht usw.)? — Was soll es dir bringen? — Und / oder was möchtest du damit vermeiden?”
So könnte heraus kommen, dass der Klient raucht, weil er sich damit etwas Gutes tun will. Und es fragt sich, warum der Klient denn meint, dass er hinsichtlich „etwas Gutem” zu kurz kommt im Leben sowie was er denn konkret mit „etwas Gutem” meint.
So könnte heraus kommen, dass er eigentlich an Zuwendung, an Wertschätzung, an „Streicheleinheiten”, an Liebe denkt, wenn er „etwas Gutes” sagt. Und ich würde ihn fragen, was der Klient denn brauchen würde, um sich ohne Umweg über Rauchen usw. diese Zuwendung, Wertschätzung und Liebe auf direktem Weg zu verschaffen.
Und genau dann sind wir beim eigentlichen Thema und der echten Ursache der Problematik. Und über das Rauchen oder das übermäßige Essen würde ich vor dem Zeitpunkt dieser Erkenntnisse gar nicht mit dem Klienten sprechen wollen. Denn damit würde ich nur Widerspruch provozieren. Hat er aber die ursächliche Erkenntnis gewonnen und die Problematik wurde erfolgreich bearbeitet, kann er aus eigener freier Entscheidung mit dem selbstschädigenden Verhalten aufhören.

In gleicher Weise gilt dies auch für die Bearbeitung anderen Themen mittels Hypno-Therapie, wie z.B. Abhängigkeitsprobleme / Sucht, Ängste / Phobien, Zwänge, Traumabearbeitung usw.

Die notwendige tiefe, bewusste therapeutische Bearbeitung kann diese Form der Hypno-Therapie prinzipbedingt nicht leisten! Und deshalb wende ich sie nicht an und empfehle sie nicht.

„Reinkarnations-Therapie”

Diese Therapie beruht grundsätzlich auf der Annahme, dass immer wiederkehrende Fehlschläge und Misserfolge im Leben auf Schuld aus früheren Leben (=Karma) beruht. Die ständige Wiederholung von Misserfolgen sei ein eindeutiger Hinweis und Beweis für diese Aussage. Würde man im Rahmen dieser Therapie genau diejenigen früheren Leben ausfindig machen und die darin begangenen schuldhaften Verhaltensweisen im Detail durcharbeiten, so würden sich die Probleme des heutigen Lebens schlagartig und nachhaltig auflösen, denn dann würde die schädliche Wirkung des „Karma” aufgehoben. Und deshalb sei diese Therapie wirklich „ursächlich”.

Meist argumentieren die Anhänger der Reinkarnations-Therapie zusätzlich damit, dass das Prinzip von Karma und Wiedergeburt eine jahrtausende alte Tradition hat und in vielen Kulturkreisen als selbstverständlich betrachtet würde. Sogar in der katholischen Kirche und Religion sei anfangs die Reinkarnationslehre enthalten gewesen und erst im Konzil von Konstantinopel hätte man sich davon distanziert.

Ob es Karma, Wiedergeburt, frühere Leben und die behaupteten Zusammenhänge wirklich gibt, oder ob es sich nur um ein esoterisches Konstrukt handelt, möchte ich hier nicht ansprechen. Die Diskussion darum wäre genau so müßig, als wenn ich über die Existenz Gottes oder über den Determinismus Streitgespräche führen wollte. Das Ganze ist letztlich eine Glaubensfrage.
Im für die Reinkarnationstherapie günstigsten Fall könnte man annehmen, dass es sich um ein psychotherapeutisches Erklärungsmodell für psychische Problematiken und deren Auflösung handelt.

Das Argument der „jahrtausende alten Tradition und Überlieferung”

Ich meine, dass jemand, der die Qualität und  Richtigkeit einer Ansicht darauf begründen will, dass diese Ansicht bereits seit „Jahrtausenden” von vielen Menschen und Religionen vertreten worden ist, der steht auf sehr verlorenem Posten. Es gibt Unmengen von Irrtümern und dubiosen kultischen Ansichten, die ebenfalls jahrtausendealte Tradition hatten. Und oftmals wird versucht damit sogar offen ersichtliches Unrecht zu rechtfertigen:
Vor Kurzem erst fordern die religiösen jüdischen Führer für sich das Recht ein, die „Tradition” der männlichen Genitalverstümmelung ungestraft fortsetzen zu dürfen, weil es seit über 4.000 Jahren göttliches Gebot sei! — Das Argument mit den Jahrtausenden hat die gleiche Qualität und Aussagekraft, wie die Aussage: „Leute fresst Scheiße! — 1.000 Fliegen können nicht irren!”

Das Argument der bildhaft detailgenauen Erinnerung an Orte usw.

Es wird gerne als Beweis für die Richtigkeit der Reinkarnationslehre angeführt, dass zahlreiche Menschen sich bereits in Rückführungssitzungen an Orte und örtliche Gegebenheiten in enormem Detailreichtum erinnern konnten, an denen sie nachweislich (im jetzigen Leben) noch nie gewesen sind und auch keine Fotos oder sonstige Unterlagen jemals gesehen hätten (wobei der Nachweis zu Letzterem im Zeitalter von Internet und Fernsehen etwas problematisch sein dürfte!).

Dieser „Erinnerungseffekt” ist ja ganz nett — aber selbst im günstigsten Fall „beweist” dies doch nur, dass der Betroffene in einem früheren Leben einmal diesen Ort kennen gelernt hat. Die gesamte für die „Reinkarnations-Therapie” wesentliche Lehre aus Schuld, Karma, der Notwendigkeit alte Schuld „aufzuarbeiten” um heute frei leben zu können, die wird damit nicht angesprochen! Und schon gar nicht bewiesen!

Zudem sind die Medien, das Internet und somit die Detail-Informationen über bestimmte örtliche Gegebenheiten derart leicht zugänglich, dass unbewusst diese Informationen gespeichert worden sind und anlässlich einer Reinkarnationssitzung abgerufen und im Sinne der Reinkarantionslehre gedeutet werden können.

„ständige Wiederholung der Problematik” als Indiz für Karma-Belastung?

Von den Anhängern der „Reinkarnations-Therapie” wird oft darauf hingewiesen, dass das ständige sich Wiederholen einer schädigenden Problematik geradezu untrüglicher Beweis für karmische Belastungen sei.
Schon seit Siegmund Freud ist bekannt, dass während der Kindheit und frühen Kindheit zuweilen unauflösliche Konflikte erlebt wurden und das Kind versucht hat, diese mit seinen begrenzten Mitteln wenigstens erträglicher zu machen. Das Kind erlebte es als Erfolg, wenn es die Erleichterung wirklich verspürte. Und so erlernte es dieses Verhaltensmuster als Erfolgsstrategie (=Schema im Sinne der Schematherapie), das sich dann meist tief im Unterbewussten verankert.
Wer mit solchen Schemata lebt, wiederholt in bestimmten auslösenden Situationen genau diese alten Verhaltensmuster auch als Erwachsener immer wieder, obwohl er vielleicht mit allen Kräften versucht, dass sich die Wiederholung nicht ereignet.

Wer sich also wirklich mit Psychotherapie hinreichend seriös beschäftigt hat, weiß folglich, dass das Auftreten von Wiederholungen schädigender Verhaltensmuster nichts mit Karma zu tun hat, sondern schon seit Freuds Zeiten eine einfache, psychodynamisch-logische und beweisbare Ursache hat!

Das Argument der Notwendigkeit der Erinnerung an frühere „Täter-Leben”

„Reinkarnations-Therapeuten” behaupten, man müsse sich an das frühere Leben erinnern, wo man als Täter gehandelt hat. Und dann müsse man das damalige schuldhafte Verhalten in einer Rückführung konkret und auch emotional nach-erleben, sich die alte Schuld eingestehen und bereuen sowie die damals mögliche ethisch korrekte Handlungsalternative finden, um aufgrund dieser Erkenntnisse vom Karma befreit werden zu können. Denn das Karma sei lediglich dazu da, dass man seine Schuld einsehe und anerkenne. Genau deshalb würden sich ja auch im heutigen Leben die schädigenden Probleme ergeben: Das Karma stelle als Aufgabe an den Menschen, seine damalige Schuld endlich einzusehen und anzuerkennen, um sich so befreien zu können.

Ich meine, dass es schwierig und arbeitsintensiv genug ist, im Rahmen der Schematherapie oder der tiefenpsychologischen Methoden alle inneren Widerstände eines Klienten / Patienten nach und nach zu überwinden, die er aufbaut, damit er sein vermeintlich schützendes oder vermeintlich nützliches Schema beibehalten kann. Denn nur so kann der Klient die konkrete Ursache in seiner zurückliegenden Biografie erkennen und die Folgen seiner damals entwickelten Verhaltensweisen durchschauen.
Und erst dann kann er diese Verhaltensweisen in einem verhaltenstherapeutischen Ansatz ablegen und neue konstruktive Verhaltensweisen erlernen oder ausprobieren. Solange er eine derart qualifizierte Therapie nicht erfolgreich durchlaufen hat, hat der Klient nicht die Freiheit der Wahl in seinem Verhalten!

Wenn dieser Therapie-Vorgang bereits derart anspruchsvoll ist, besonders im Hinblick auf die inneren Widerstände gegen den Erkenntnisprozess und die Erinnerung an das damalige, oft traumatische Erleben, wie viel aufwändiger aber auch wie viel ungenauer muss es dann zwangsläufig sein, mit der „Erinnerung” Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zurück in frühere Leben zu gehen, um dort „Ursachen” auffinden und dann auch noch „auf-arbeiten” zu können???

Was mag in der „Reinkarnationstherapie” im „Erfolgsfall” wirklich vorgehen?

Denn es gibt durchaus zuweilen nachhaltige Erfolge. Erklärbar wird dies durch genau die oben beschriebenen Zusammenhänge und Wirkungsmechanismen gemäß der Schematherapie:

Der Klient trägt die Problematik (meist) aus seiner Kindheit mit sich, aber innere Widerstände hindern ihn daran, sich zu erinnern oder die Problemlösung zuzulassen (nämlich ein anderes Verhaltensmuster anzuwenden). Oft ist auch Scham im Spiel, sich nicht als unzulänglich zu offenbaren, ein anderes Verhaltensmuster frei wählen zu können. Oder das Ereignis in der Kindheit und die Erinnerung daran ist in sich selbst bereits mit Scham besetzt (z.B. sexuelle Gewalt an kleinen Jungen).

Wenn ein Therapeut nun — womöglich verbrämt durch reinkarnations-therapeutische Erklärungsmodelle — dem Klienten eine Möglichkeit aufzeigt, seine schambesetzte Problematik in die Handlung eines „früheren Leben” zu projezieren, dann liegen die Jahrhunderte oder Jahrtausende wie ein vor Beschämung schützender Wall dazwischen. Dies kann den Klienten dazu veranlassen, nun seinen Widerstand aufzugeben und seine Erinnerungen zuzulassen.

Da aber bei diesen Vorgängen die Zielorientiertheit aus dem schematherapeutischen oder tiefenpsychologischen Grundverständnis fehlt und zudem durch das „Drumherum” der „früheren Leben” eher eine Ablenkung und Diffusion erzeugt wird, muss man eher davon ausgehen, dass die ursächliche Problematik nicht genau genug geklärt wird. Als Folge bleiben Reste der Ursachen im jetzigen Leben schädigend oder beeinträchtigend wirksam.

„Reinkarnationstherapie” als unseriöse Geschäftemacherei

Diese harte Formulierung trifft natürlich nur auf jene wenigen Anbieter zu, die sich so verhalten, wie ich im Folgenden schildere. Es gibt sehr viele Anbieter / Therapeuten, die in ehrlicher und engagierter Weise arbeiten und hoch motiviert sind, wirklich dem Klienten helfen zu wollen.

Aber leider lädt gerade das Prinzip der Reinkarnations-Therapie dazu ein, Missbrauch zu treiben: Denn man kann den Klienten durch zig oder durch hunderte Leben rückführen und immer behaupten, man hätte „das richtige” oder „das ursächlich entscheidende” noch nicht gefunden.
Ferner kann es sein, dass zwar die Problematik tatsächlich erkannt wurde und ein Bearbeitungsversuch erfolgt ist, dieser aber unzulänglich blieb (aus oben beschriebenen Gründen) und daher die störende Problematik im jetzigen Leben weiterhin besteht. Da fällt es dem Reinkarnationstherapeuten mit seinem Erklärungsmodell leicht, einfach zu behaupten, dass wohl noch weitere Leben rückgeführt werden müssten, um die restliche Problematik aufzulösen.

„Reinkarnationstherapie” kann sehr leicht in Depression und Suizid führen!

Ganz übel wird es, wenn die Schuld-Problematik (Karma) gegenüber tendenziell depressiven Klienten derart besprochen wird, dass er für seine „Schuld” selbst verantwortlich sei und diese Verantwortung erst einmal annehmen müsse, auch im heutigen Leben. Schon mancher Klient wurde mit derartigen Darstellungen regelrecht in eine Depression oder gar in eine Suizid-Krise hinein getrieben!

Weiter oben hatte ich ausgeführt, dass ein Klient, der in einem Wiederholungsverhalten fest steckt (die Schematherapie spricht von „Lebensfalle” oder „schädigendem Lebensmuster” oder Schema), sich nur durch die tiefenpsychologisch-therapeutische Bearbeitung der Ursachen aus seiner Kindheit und Jugend aus diesen Verhaltensmustern befreien kann. Solange er in seinen Schemata gefangen ist, ist er nicht in der Lage, sein Verhalten zu ändern! Er hat nicht die Freiheit der Wahl.

Wenn also die „Reinkarnationstherapie” die wahren Ursachen aus der Kindheit / Jugend des Klienten nicht bearbeitet, sondern bestenfalls die Projektionen daraus auf Szenen in „früheren Leben”, so führt dies zwangsläufig den Klienten in massive Überforderung. Denn er bezahlt Geld für eine angeblich wissenschaftliche Therapie und führt einen fehlenden Therapieerfolg auf sein eigenes Versagen zurück. So entsteht ein gewaltiger Druck, der zusammen mit dem Gefühl der Überforderung und der Last der „Schuld-Problematik” (=Karma) zielsicher in die Depression führen kann. Im Extremfall steht am Ende nur der Ausweg im Suizid!

„Reinkarnationstherapie” zerstört oft Partnerschaften und Familien!

Ebenfalls verbreitet ist die Ansicht mancher Reinkarnationstherapeuten, dass eine Therapie erst dann Sinn macht, wenn sich der Klient aus Partnerschaften „befreit”, deren Ursprung angeblich ebenfalls mit dem Karma zu tun hätte. Der Partner sei sozusagen Bestandteil des karmischen Leids in der Gegenwart und der Klient hätte gerade ihn sich ausgewählt, um durch das enstehende Leid auf die karmische Aufgabe aufmerksam zu werden.
Und weil der Klient in diesem Fall durch die karmisch-destruktive Verbindung trotz „Reinkarnationstherapie” immer wieder durch seinen Partner in die alte Schuldproblematik hinein gezogen würde sei eine sofortige Trennung zwingende Voraussetzung für die weitere reinkarnationstherapeutische Zusammenarbeit!

Allerdings spielt gerade der aktuelle Partner oft eine stabilisierende Rolle und schützt den Klienten davor, völlig in Einsamkeit, Isolation und Depression zu geraten. Befolgt der Klient also den Rat des „Reinkarnationstherapeuten”, bleibt ihm als einzige Möglichkeit, der Isolation zu entkommen, der noch innigere Kontakt zum „Reinkarnationstherapeuten”. Das erzeugt Abhängigkeit und vielleicht sogar emotionale Bindungen zum Therapeuten. Es hat mit seriöser Therapie aber gewiss nichts zu tun.

Sie glauben, die in diesem Abschnitt beschriebenen, unseriösen Praktiken wären Ausnahmen und schwarze Schafe gebe es in jedem Beruf?
Das sehe ich zwar auch so, aber ich habe die hier beschriebenen unseriösen Praktiken zu Beginn meiner Lebenskrise selbst erlebt, als ich in Stuttgart zwei bekannte Therapeutinnen aufgesucht hatte. Später wurde mir sogar angeboten, eine Ausbildung zum „Reinkarnationstherapeuten” zu machen. Die mir dazu überlassenen Unterlagen und die Aufzeichnungen aus der Ausbildung hierzu sind Grundlage für meine hier dargestellten Ansichten über unseriöse Praktiken. Sie belegen auch die zuletzt gemachte Aussage über Trennung von Partnerschaften! Auch ich wurde damals unter Druck gesetzt, meine Partnerschaft zu beenden, weil sonst die Therapie aufgekündigt würde!
Und der Druck, die Überforderung, das Manipulieren mit Schuld und Karma, das Abgleiten in tiefe Depression und Suizidalität, das habe ich an mir selbst erlebt während ich an diese „Reinkarnationstherapie” verzweifelt meine letzte Hoffnung knüpfte!

Zusammenfassend meine ich:

Ich halte die „Reinkarnationstherapie” im günstigsten Fall für einen meist sehr kostspieligen und unnötigen Umweg, der zudem die Gefahr einer unzureichend genauen Bearbeitung belastender Problematiken beinhaltet. Der Klient kann die unzureichende Bearbeitung nicht erkennen und läuft Gefahr, auch weiterhin schädigende Verhaltensmuster beizubehalten, glaubt aber, die Probleme gelöst zu haben.
Fener fehlt gänzlich der therapeutische Teil, in dem neue konstruktive Verhaltensmuster erlernt und erprobt werden, wie z.B. in der Schematherapie üblich. Statt dessen wird der Klient meist sich selbst überlassen mit der Überlegung, dass er nach Wegfall der störenden Problematik ja automatisch die völlige Freiheit hätte, sein Leben nunmehr konstruktiv gestalten zu können und zudem nunmehr für weitere Fehlschläge und Probleme voll selbst verantwortlich sei!
Genau diese Behauptung delegiert aber die therapeutische Verantwortung für eine gründliche Bearbeitung und die Folgen einer unzureichenden Bearbeitung voll auf den Klienten. Im ungünstigsten Fall treibt ihn diese Argumentation in tiefe Depression! Daher kann die Reinkarnationstherapie bereits auf Grundlage ihrer „zwingenden Logik” den Klienten gefährden!

Insgesamt lehne ich daher die „Reinkarnationstherapie” grundsätzlich ab und warne hiermit davor!

NLP als Therapie oder nur zur besseren Gehirnnutzung?

Oftmals beschreiben die Anbieter von NLP-Dienstleistungen diese als Therapie oder als therapie-ähnliche Methode. Eine bekannte Heilpraktikerschule, die sich gerne als Marktführer sieht, bietet ihren NLP-Ausbildungskurs wie folgt an:
NLP vereint verschiedene psychotherapeutische Ansätze zu einer lösungsorientierten Beratung/ Therapie. Dabei wird auf die Vertiefung handlungsbeschränkender Erfahrungen verzichtet und innere Ressourcen des Klienten werden durch Modellieren und Einüben erfolgreicher Kommunikationsmuster verstärkt.

Wenn diese Darstellung jener Heilpraktikerschule zutreffen würde, wäre dies der dressurähnliche Ansatz einiger früher Forscher in Sachen Verhaltenstherapie, wie z.B. Pawlow. Heute würde man dies niemals mit ernsthafter Therapie in Verbindung bringen.

NLP ist keine Therapie und kann niemals als Ersatz von Therapie funktionieren.

Dies liegt in ihrem Wesen und ihrer Funktionalität begründet. Auf Websites mit objektiver Darstellung der NLP liest man z.B.:
Neuro-Linguistisches Programmieren, kurz: NLP, beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren unser Erleben steuern und wie wir unsere Erfahrungen selbst hervorbringen. Mit anderen Worten: NLP widmet sich dem Studium der menschlichen Subjektivität. (zitiert aus Website des Deutschen Verband für Neurolinguistisches Programmieren)
Das bedeutet letztlich, dass NLP dazu verhilft, sich über seine eigenen Denkweisen und deren mögliche Verfälschungen, die Verarbeitung der Gedanken und der Speicherung von Wissen im Gehirn und der Auswirkungen davon auf alltägliche Situationen klar zu werden. Ich sehe hier eine Zusammenführung der Erkenntnisse von Paul Watzlawick (Kommunikationswissenschaft und Konstruktivismus) mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung.

In den o.g. Bereichen Denken, Lernen / Erinnern, Kommunikation und Verhaltensweisen sowie damit in Verbindung stehenden menschlichen Konflikten vermag NLP hilfreich sein. Aber schon aus der Beschreibung wird die Betonung der kognitiven gegenüber der Gefühlsebene sichtbar. Der Name NLP, mit P wie Programmieren, bestätigt dies, denn Gefühle lassen sich nicht programmieren, sondern höchstens manipulieren.
NLP kann z.B. nicht die wahren Ursachen für Konflikte in der Kommunikation oder in Verhaltensweisen aufdecken und bearbeiten! Hierzu müsste die Frage an den Klienten gestellt werden: „wo hast du das gelernt? - unter welchen Umständen? und mit welcher Absicht oder Erwartung?” Oder es müsste gefragt werden, welche prägenden Bindungs- und Beziehungsmuster der Klient aus seiner Kindheit her beibehalten hat, die ihm jetzt hinderlich sind.

Gleiches gilt für das Denken: Was ich heute denke (und was ich fühle / dabei fühle ist sogar noch entscheidender!!!) ist weitgehend beeinflusst durch meine sehr individuelle Wahrnehmung, die zuweilen auch deutlich von einer „objektiven Realität” entfernt sein mag. Wie weit ich mit meiner Wahrnehmung von der Realität entfernt bin und ob dies meine gesamte Wahrnehmungs- und Denkwelt umfasst oder nur in einigen speziellen Situationen so ist, das hängt ebenfalls weitgehend davon ab, was ich in meinem zurückliegenden Leben erlernt / erfahren habe.

Und für das Lernen und Abrufen von Informationen und die Nutzung des Hirns für diese Prozesse haben wir die wichtigsten Prägungen in der frühen Kindheit, in Kindergarten und Schule von unseren Bezugspersonen erhalten. Also liegt meistens hier die Ursache für Schwierigkeiten und hier muss die Arbeit beginnen, wenn man wirklich ursächlich und somit wirkungsvoll und nachhaltig heran gehen will.

NLP kann und darf nicht in diese Tiefen der Psyche eindringen, um die wirklichen Ursachen zu bearbeiten und zu mildern bzw. aufzulösen. Schon die von der NLP verwendeten Verfahren sind dazu nicht tauglich. Vielmehr wird auf ein möglicher Weise stark verbesserungsbedürftiges psychisches Fundament eine kognitive Methode draufgesattelt in der Erwartung positiver Wirkungen und Ergebnisse — also sogar bei brüchigem Fundament!

Auf Basis dieser Überlegungen sehe ich NLP bestenfalls als nützlich an für Menschen, deren „psychisches Fundament” stabil aufgestellt ist und die nur wenige Einschränkungen aus Prägungen ihres bisherigen Lebens mit sich tragen. Nach meiner Erfahrung verfügen aber nur wenige Menschen über ein derart „solides Fundament”. Die meisten benötigen Begleitung dabei, die wirklichen Ursachen für Ängste, Sorgen, Schwierigkeiten im Miteinander herauszufinden und aufzuarbeiten.

Ich sehe daher keinen Grund, mit NLP oder NLP-ähnlichen Methoden zu arbeiten und ich sehe keinen Sinn darin, NLP zur Verbesserung spezieller Fähigkeiten zu empfehlen. Der Begriff „NLP-Therapie” täuscht jedenfalls Therapie vor, wo wirklich keine enthalten sein kann.