Oft werde ich nach der Bedeutung dieser drei Begriffe und der Unterschiede gefragt. Denn in meinem Kurs: Würdezentriertes Kommunikation nutze ich die Kombination aus Grundlagen der »Emotionalen Kompetenz« nach Claude Steiner und derjenigen aus der »Gewaltfreien Kommunikation« nach Marshal B. Rosenberg. Neuerdings spricht man sogar von »Wertschätzender Kommunikation«. Der Begriff »Soziale Kompetenz« beschreibt dagegen einen anderen Bereich. Hier finden Sie Klarheit:

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Zunächst zur Bedeutung des Begriffs „Soziale Kompetenz”:

Soziale Kompetenz (englisch social skills), häufig auch Soft Skills genannt, ist die Gesamtheit individueller Einstellungen und Fähigkeiten, die benötigt werden, um eigene Handlungsziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe zu verknüpfen und in diesem Sinne auch das Verhalten und die Einstellungen dieser Gruppe zu beeinflussen. Soziale Kompetenz umfasst eine Vielzahl von Fertigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich bzw. notwendig sind. Ein zuweilen mit ihr gleichgesetzter Teilaspekt der sozialen Kompetenz ist dabei die sogenannte soziale Intelligenz als „Fähigkeit, andere zu verstehen sowie sich ihnen gegenüber situationsangemessen und klug zu verhalten”.

…und die Bedeutung des Begriffs „Emotionale Kompetenz”:

…beschreibt die Fähigkeit, eine maximale Bedürfnisbefriedigung und maximale emotionale Zufriedenheit für alle Beteiligten zu erreichen, indem in kooperativer, offener Weise Gefühle und Bedürfnisse angemessen geäußert werden.
Claude Steiner (Psychotherapeut und Philsoph), ein Mitarbeiter und Freund von Eric Berne (Begründer der Transaktionsanalyse) begründete den Begriff »Emotionale Kompetenz« mit dieser Bedeutung. Er entwickelte dazu die tiefenpsychologisch (transaktionsanalytisch) begründete Methodik, mit der diese Kompetenz verbessert werden kann. Die Methodik beruht auf dem Modell der drei ICH-Zustände, deren Ursprünge auf die Erkenntnisse von Sigmund Freud zurück gehen.

Zur gleichen Zeit wie Claude Steiner entwickelte Marshal B. Rosenberg (klinischer Psychologe) sein Konzept der »Gewaltfreien Kommunikation«. Steiner und Rosenberg trafen sich mehrmals, hatten aber zu unterschiedliche Ansichten, sodass kein gemeinsames Konzept begründet werden konnte.
Der Begriff »Emotionale Kompetenz« ist rechtlich nicht geschützt und wurde daher in seiner Bedeutung über die Jahre hinweg leider verwässert.

Emotionale Kompetenz drückt sich am stärksten in der Kommunikation aus. Besonders das Geben und Nehmen von Anerkennung, Zuwendung und Wertschätzung kann aber auch durch Körpersprache und Berührungen kommuniziert werden.

„Gewaltfreie Kommunikation”:

heißt die von Marshal B. Rosenberg entwickelte Methode zur Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders. Gelungene Kommunikation und dauerhaft friedliche Beziehungen gelingen nur bei echtem empathischen Kontakt. Beeinflusst ist seine Arbeit u. a. von den Erkenntnissen seines Lehrers Carl Rogers (Humanistische Psychologie) aus der klientenzentrierten Gesprächstherapie und Überlegungen Gandhis zur Gewaltfreiheit.

Rosenberg berücksichtigt in seiner Methode (tiefen-)psychologische Hintergründe nicht und legt mehr Wert auf eine relativ einfache Struktur des Kommunikationsablaufs. Damit soll die Methode leicht von jedermann anwendbar sein.
Der Begriff »Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg« ist rechtlich geschützt.

Der Begriff „Wertschätzende Kommunikation” soll laut Wikipedia eine modernere Bezeichnung für Rosenbergs „Gewaltfreier Kommunikation” darstellen, beschreibt aber meiner Erfahrung nach meist eine „entschärfte” und aufgeweichte Form davon. Unter diesem Begriff werden im Bereich „Fortbildung in Unternehmen” Verbesserungen angestrebt, die aber oftmals nicht wirklich an den vorhandenen Strukturen und Machtverhältnissen sowie der alltäglichen Gewaltausübung etwas ändern sollen.

Meine Erfahrungen mit beiden Konzepten / Methoden

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg

Weil ich zunächst nur etwas von Rosenberg gehört hatte und mich seine Ideen begeisterten, habe ich versucht, Gewaltfreie Kommunikation (kurz GfK) zu üben und in meinem Alltagsleben anzuwenden. Aber ich erlebte Unstimmigkeiten in mir selbst und bei meinen Gesprächspartnern. Irgendwie „hakelte” es ständig, die Formulierungen, die Wortwahl fiel mir oft schwer, es fühlte sich zuweilen irgendwie steif und fremd zu meinen Gefühlen an.
Irgendwo schien mir „der Wurm drin” zu sein und ich erfuhr von anderen, dass sie ähnliche Schwierigekeiten bei der Anwendung im Alltag hatten. Deshalb wollte ich mir die Frage beantworten, was konkret denn die Anwendung so schwer macht. Während ich noch damit beschäftigt war, erhielt ich die Einladung zu einer Fachkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Emotionale Kompetenz e.V. (=DGEK). Hier freute ich mich riesig darüber, Claude Steiner persönlich treffen zu können. Die Nähe im Miteinander in den Übungsgruppen und während der ganzen Konferenz empfand ich als außerordentlich wohltuend.

Mir wurde klar, dass meist ungeklärte tiefenpsychologische Ursachen verhindern, die GfK erfolgreich anzuwenden. Ich meine, dass der größte Unterschied darin liegt, dass Rosenberg den Eindruck erweckt, dass jeder Mensch, wenn er es nur ernsthaft genug will, GfK erlernen und erfolgreich anwenden kann.
Sehr viele Menschen haben aber in ihrer Biografie — speziell durch ihre wichtigsten Bezugspersonen — Prägungen erfahren, die es verhindern, GfK erfolgreich anzuwenden. Erst müssen diese Prägungen bewusst gemacht, bearbeitet und aufgelöst werden. Hierzu ist eine qualifizierte Anleitung und Begleitung erforderlich. Denn diese ungünstigen Prägungen sind den Menschen meist unbewusst.
Wenn Menschen mit solchen Prägungen dennoch versuchen, GfK anzuwenden, überfordern sie sich mit ihren Bemühungen und schaffen sich selbst Frustrationserlebnisse, die die vorhandenen Prägungen oft sogar noch verschärfen. Oder sie beginnen, GfK als unrealistisch und nicht praxistauglich abzuwerten.

Emotionale Kompetenz nach Claude Steiner

Claude Steiner gibt mit dem Modell der ICH-Instanzen aus der Transaktionsanalyse die notwendige Erklärung für die psychischen Wirkungsmechanismen, die für eine funktionale, konstruktive und freundschaftlich-wohlwollende Kommunikation verstanden werden müssen. Psychotherapeutische Gedankengänge sind bei Steiner wesentlich, sodass die inneren oft unbewussten Widerstände überwunden werden können. Allerdings fehlt eine alltagstaugliche, hilfreiche Struktur, wie sie Rosenberg entwickelt hat.

Zudem sah ich, dass etliche Details aus Steiners Konzept bei Rosenberg fehlten, wie z.B. das „um Erlaubnis fragen”, ehe man den anderen mit dem eigenen Anliegen anspricht. Ich spürte eine Tiefe, wie ich sie bei der Methode von Rosenberg nicht wahrgenommen hatte.

Natürlich versuchte ich nun, die neuen Erkenntnisse im Alltag einzusetzen. Das gelang mir schon viel besser. Aber ich hätte gerne doch mehr Teile von Rosenberg hinzu genommen, z.B. der Zusammenhang zwischen Gefühl und Bedürfnis, sich des eigenen Bedürfnis bewusst zu werden und dies ggfs. auch zu äußeren oder mehr von dessen Struktur.

Erkenntnisse aus der Schematherapie

Ich empfinde allerdings das transaktionsanalytische Modell der drei ICH-Zustände als viel zu komplex an, als dass es im Alltag in der Kommunikation bewusst angewendet werden könnte. Aus der Schematherapie kenne ich dagegen das vereinfachte Modell der ICH-Zustände. Es ist so leicht verständlich und im Alltag anwendbar, dass ich es sehr oft in meiner Beratungsarbeit nutze und meinen Klienten erkläre.
Die Schematherapie begründet sich wesentlich auf die Vorstellung, dass es menschliche Grundbedürfnisse gibt (viel detaillierter und weitreichender als die von Abraham Maslow seinerzeit mit der Bedürfnispyramide formulierten), die erfüllt werden müssen, damit der Mensch seine vollen Potenziale entfalten und sich gesund entwickeln kann. Werden diese systematisch verletzt, können sich schon von klein auf schädigende Lebensmuster entwickeln, die auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben und meist nur mit therapeutischer Begleitung gemildert oder aufgehoben werden können.

Mit diesen Erkenntnissen der Schematherapie kann das GfK-Konzept von Rosenberg erheblich verbessert werden, weil so die Verbindung zu den tiefenpsychologischen Ursachen auf leicht verständliche Weise hergestellt wird. Zudem stellt Rosenberg zu Recht heraus, dass jede menschliche Handlung und jede Kommunikation nur deshalb geschieht, weil der Handelnde seine Bedürfnisse befriedigen möchte.
Dafür muss er sich jedoch seiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst werden.
Wer jedoch die gesunde und konstruktive Erfüllung seiner Bedürfnisse durch schädigende Lebensmuster verlernt hat, kann GfK nicht erfolgreich anwenden, eben weil zunächst diese schädigenden Prägungen gemildert oder beseitigt werden müssen. Versucht derjenige dennoch, die GfK anzuwenden, wird er schnell frustriert sein und sich überfordern und meistens damit seine schädigenden Prägungen verschärfen.

Die Würde, die Unzulänglichkeit und die Beschämung

Ich lernte den würde-fokussierten Ansatz von Psychotherapie über Herrn Udo Baer, seine Bücher und sein Ausbildungsangebot „kreative Leibtherapie” kennen. Zugleich beschäftigte ich mich stark mit dem Thema „Die heilende Kraft des Humor in der Therapie” als Strategie zum Umgang mit Beschämung und menschlicher Unzulänglichkeit, wie sie von Herrn Dr. Michael Titze, einem bekannten und erfahrenen Psychotherapeuten aus Tuttlingen entwickelt worden ist (siehe auch meine Buch-Rezension dazu).
Es ist mir hier nicht möglich, alle Details und alle Erkenntnisse sowie deren Zusammenhänge darzustellen. Vielleicht schreibe ich hierüber demnächst ein Buch?

Mein eigenes, neues Konzept: würde-zentrierte Kommunikation

Aus der Beschäftigung mit Würde, Unzulänglichkeit und Beschämung entwickelte ich eine neue, leicht verständliche Grundlage, die wie ein Schutzpanzer gegen neurotisierende Beschämung und Machtausübung sowie gegen Angriffe auf die Würde und den Selbstwert von Menschen wirkt.

Diese Grundlage gibt Menschen sogar auch dann einen neuen, erstaunlich großen Handlungsspielraum, wenn sie unterdrückerischen Beschäftigungsverhältnissen ausgesetzt sind, wo die Machtstrukturen zu dauernder Gewaltausübung missbraucht werden und die Würde aller Mitarbeiter mit Füßen getreten wird.

Die Grundlagen meines Ansatzes sind 5 Punkte:

  1. Jeder Mensch hat aufgrund der Tatsache seiner Existenz seine Würde.
    Diese Würde kann nie verloren gehen! Sie kann angegeriffen werden und sie kann durch Scham und Beschämung oder durch besondere Lebenssituationen überdeckt werden. Aber sie bleibt immer vorhanden!
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  2. Jeder Mensch ist aufgrund der Tatsache seines Mensch-Seins unzulänglich.
    Wäre dies nicht so, so wäre er perfekt und somit gott-gleich, also kein Mensch! Die meisten Menschen würden eine unglaublich tiefe Befreiung erleben, wenn sie sich selbst und anderen Menschen dieses Recht auf Unzulänglichkeit grundsätzlich zugestehen würden, statt sich in Perfektionsimus und Null-Fehler-Mentalität selbst zu zerstören.
    Nimmt man das Recht auf Unzulänglichkeit für sich in Anspruch, so ist den meisten Situationen, beschämt zu werden, der Boden entzogen!
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  3. Das Lust-Prinzip: Jeder Mensch ist daran interessiert, das zu tun, was ihm den meisten Lustgewinn beschert.
    Er ist von Natur aus ein äußerst sozial vorgeprägtes, gutwilliges Wesen, das lustvoll die Welt entdecken und lustvoll Fähigkeiten erwerben will und gerne aus sich selbst heraus lustvoll Leistungen erbringt und sich lustvoll selbstwirksam erleben möchte.
    Diese Vorprägungen, Fähigkeiten und innere Grundhaltung gilt es zu fördern, indem das Lustprinzip und nicht der Druck und das Antreiben an oberster Stelle stehen.
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  4. Erfüllung der Grundbedürfnisse bringt Lebenslust
    Die Grundbedürfnisse eines Menschen, die erfüllt sein müssen, damit er gesund, glücklich und lustvoll aufwachsen und leben kann und seine Potenziale entfalten kann, wurden von der Schematherapie empirisch zusammen gestellt. Die Nicht-Erfüllung dieser Grundbedürfnisse richtet sich gegen die Würde des Menschen!
    Erstaunlich oft neigen Menschen dazu, sich selbst zu bestrafen, indem sie sich die Erfüllung von Grundbedürfnissen versagen mit der Begründung: „Wer derart unzulänglich ist wie ich und so viel falsch macht, der gehört nicht auch noch belohnt!”  und: „Wenn ich mich selbst bestrafe und so die Strafe vorweg nehme, dann werden mich andere wegen meiner Fehler nicht noch einmal bestrafen!”  Dass das nicht funktioniert, dürfte eigentlich klar sein, aber auch, dass Religionen mit ihrer würdeverletzenden Ethik die Ursache für derart absurde Denkkonstrukte darstellen.
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  5. Mut und Ermutigung / Gelassenheit / Humor
    Um die drei Kompexe Würde, Unzulänglichkeit und Lust auf gesunde Weise annehmen und leben zu können, brauchen alle Menschen Mut. Und wenn der eigene Mut nicht ausreicht, braucht man Ermutigung.
    Um die eigenen Unzulänglichkeiten und auch die Widrigkeiten des Lebens hinnehmen zu können, ist es hilfreich, sich in Gelassenheit zu üben und das, was nun einmal nicht zu ändern ist, ohne Groll und Verzweiflung akzeptieren zu können.
    Humor hilft dabei, Ermutigung und Gelassenheit leichter zu erreichen

Die fünf vorstehenden Grundsätze und Erkenntnisse führte ich dann mit den Ansätzen von Claude Steiner und Marshal B. Rosenberg zusammen. Auf der Suche nach einer hierfür treffenden Bezeichnung sah ich, dass der Begriff »würde-zentriertes Miteinander« dieses Konzept am besten beschreibt, obwohl ich gerne das Wort Lust ebenfalls gerne darin unter gebracht hätte. Zur Würde gehört aber das Recht auf Lust dazu!

Eine global kapitalistisch geprägte Welt, in der »Arbeit« religions-ähnlich (Pietismus: Ora et Labora) zum Wichtigsten im Leben hochstilisiert wird und Lust nur noch durch immer mehr Konsum erlebt werden soll statt durch Erfüllung natürlicher Kernbedürfnisse, verstößt zwangsläufig gegen alle vobeschriebenen Grundlagen eines menschenwürdigen Daseins!

Hier bestätigt sich wieder die Richtigkeit meiner These, dass ehrliche Psychotherapie immer Partei ergreifend sein muss und zwar immer zu Gunsten dere Würde des Menschen und immer zu Gunsten des Menschen, dessen Würde verletzt wird!

Die drei ICH-Instanzen: So verstehen Sie sich selbst und andere

Die obigen fünf Grundsätze können meist nur dann verstanden und verinnerlicht werden, wenn auch das Modell der drei ICH-Instanzen und deren Auswirkungen auf unser Erleben, unsere Handlungen und Erwartungshaltung begriffen wurde und wenn verstanden wurde, wie mit Hilfe dieses Modells neue Handlungsspielräume erschlossen werden können und im Alltag konkret gelebt werden können.

Das Erwachsenen-ICH…

sorgt dafür, dass man im Leben bestehen kann, sorgt für Struktur, Ordnung und wägt ab, ob die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse oder die Erfüllung der Bedürfnisse anderer im Vordergrund stehen soll und wägt die daraus entstehenden Konsequenzen ab.
es verhält sich zum Kind-ICH wie ein wohlwollender, gütiger Elternteil und sorgt dafür, dass die Grundbedürfnisse des Kind-ICH (z.B. gemäß Schematherapie) bestmöglich erfüllt werden.

Das Kind-ICH…

steht für die Gefühle, die Bedürfnisse und die Lebendigkeit. Sein größter Wunsch ist die unbegrenzte Freiheit und die grenzenlose Lust.
Diese Grundhaltung muss angemessen (!) reguliert werden, damit sie nicht zu schädlichen Folgen führt.

Das Zerstörer-ICH…

habe ich so benannt, weil der der sonst übliche Begriff (Eltern-ICH) massiv missverstanden wird und zu unnötigen Diskussionen führt.
Das Zerstörer-ICH beinhaltet alle Vorgaben, Normen, Gesetze, Werte, „ungeschriebenen Gesetze”, Anstandsregeln usw., die unnötig die Freiräume des Kind-ICH und des Erwachsenen-ICH einschränken und unnötig die Erfüllung der Grundbedürfnisse behindern.
Sehr oft können wir dieses Zerstörer-ICH an einer inneren Stimme erkennen, die mit zynisch abwertenden, beschämenden, entmutigenden oder antreibend-perfektionistischen Aussagen zu uns spricht. Oft hat diese innere Stimme den gleichen Tonfall, wie wichtige Bezugspersonen aus Kindheit und Jugend.
Es muss darum gehen, dieses Zerstörer-ICH bestmöglich im Zaum zu halten und sich gegen dessen Beeinflussungen zu wehren.

Das Verständnis dieser Zusammenhänge ermöglicht es, sich der eigenen inneren Vorgänge und Wirkungsmechanismen bewusst zu werden. Auf Grundlage dieses Modells erklären sich aber auch wichtige Vorgänge im Kommunikationsverhalten wie z.B.

  • …das Kommunikationsmodell, welcher eigene ICH-Anteile gerade mit welchem ICH-Anteil des Gesprächspartners spricht.
  • …oder der Teilbereich, warum Menschen sich selbst nur selten die Erlaubnis geben, einem anderen Menschen ihre Gefühle und Bedürfnisse mitzuteilen.
  • …oder warum es denn oft so schwer fällt, anderen zutiefst Anerkennung zu geben oder warum es manchen Menschen geradezu undenkbar erscheint, andere um Anerkennung, Zuwendung, Trost usw. zu bitten.

Auswirkungen meines Konzepts des „Würde-zentrierten Miteinander”

Vorbeugung gegen BurnOut, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen und mehr

Wer die vorstehenden Zusammenhänge nicht nur vom Verstand her begriffen, sondern sie auch zutiefst in seinem Inneren umgesetzt hat, erwirbt damit einen starken Abwehrschild gegen kränkende Einflüsse unserer gesellschaftlichen Kultur, des Arbeitslebens, des persönlichen Miteinanders mit anderen. Zugleich werden die schädigenden Prägungen aus der bisherigen Biografie bewusst gemacht, bearbeitet und dadurch gemildert oder ganz aufgelöst.

Harmonie im Miteinander — Kooperation statt Wettbewerb

Wer die vorstehenden Zusammenhänge nicht nur vom Verstand her begriffen, sondern sie auch zutiefst in seinem Inneren umgesetzt hat, kann ohne Angst vor Beschämung anderen seine Gefühle und Bedürfnisse mitteilen und erfährt eine große innere Stärke.
Zudem entsteht immer mehr die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt eines anderen hinein zu versetzen und die Dinge auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, als nur aus dem eigenen.

So wird Streit und Kritik völlig unnötig, weil nun wirklich konstruktive Möglichkeiten im Umgang miteinander zur Verfügung stehen.
Manch einer fragt sich, warum er diese Erkenntnisse nicht schon viel früher haben konnte und warum diese Art des Miteinanders nicht selbstverständlich auf dieser Welt sein müsste. Da haben wir zwei Kräfte, die verhindern, dass sich diese Grundsätze schnell verbreiten und durchsetzen:

  1. Wir sind alle das Produkt der Prägungen, die wir von Menschen erhalten, die ein oder zwei Generationen vor uns auch schon nicht gelernt haben, würde-zentriert miteinander umzugehen. Unsere Eltern und Großeltern, unsere Lehrer und Professoren wussten es meist nicht besser!
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  2. Die herrschende Elite in unserer Welt hat immer schon das Unglück und die Unfreiheit anderer zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Daher besteht in unserem Erziehungs- und Schulsystem wenig bis kein Interesse daran, solche Zusammenhänge z.B. in einem Schulfach zu lehren. Und es besteht kein Interesse daran, diese Zusammenhänge im Rahmen betrieblicher Fortbildung unter dem Titel „Wertschätzende Kommunikation” zu vermitteln. Es würde den herrschenden Kräften die Macht aus der Hand nehmen!
    Eine weitere Manipulation ist das Prinzip „Teile und herrsche!” – Modern ausgedrückt: „Konkurrenz statt Kooperation!” Am Ede ist jeder Mensch dann isoliert und einsam und überfordert sich zudem selbst.
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„Würdezentrierte Kommunikation” — effizient + alltagstauglich

Das erlebe ich selbst ständig in meinem Alltag, weil ich es bestmöglich ständig anwende. Mein würdezentriertes Verhalten hat sich schon in vielen kritischen Situationen (z.B. Kommunikation mit Behörden, Lösung von Partnerschaftskonflikten, Reklamationen bei Lieferanten usw.) bewährt, gerade auch dann, wenn sich der Gesprächspartner anfänglich alles andere als kooperativ verhalten hat.
Ferner erlebte ich, dass alleine schon die Vermittlung dieser Zusammenhänge im Rahmen einer psychoedukativen Beratung die Selbstheilungskräfte meiner Klienten zuweilen derart gestärkt hat, dass sie ihre Schwierigkeiten oft in überraschend kurzer Zeit lösen konnten.