Medizinisches Wunder: Kind lebt mit halbem Gehirn

Ein deutsches Mädchen erstaunt die Wissenschaft: Sie hat seit ihrer Geburt nur ein halbes Gehirn. Wo andere Menschen die rechte Gehirnhälfte haben, hat das Kind nur Nervenwasser. Das Besondere: Trotzdem ist sie kerngesund.

Tja, so stand das am 21. 07. 2009 in der Presse. Dazu fiel mir eine Menge ein…

In der Pressemeldung heißt es weiter:

Die Eltern der heute Zehnjährigen sollen ihr Kind damals in das Krankenhaus gebracht haben, weil es manchmal unter leichten Zuckungen gelitten habe. Ansonsten sei das Mädchen völlig normal entwickelt gewesen und keiner hätte ahnen können, dass sie nur ein halbes Gehirn hat. Das Kind könne seinen Alltag ohne Probleme meistern. Sie geht laut der »Süddeutschen« auf eine normale Schule, kann Fahrrad und Inline-Skates fahren und wird als witzig, geistreich und intelligent beschrieben.
Die Mediziner untersuchten das Mädchen jetzt genauer. Dabei sollen sie herausgefunden haben, dass unter dem Schädeldach des Kindes eine „erstaunliche Umorganisation” stattgefunden habe. „Auf diese Weise gelangen Informationen in eine Hirnhälfte, die da gar nicht hingehören”, sagte Studienleiter Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main. Dies belege die erstaunliche Flexibilität des Gehirns, heißt es in dem Artikel.
Allerdings gelänge eine derartige Umstellung wie bei der Zehnjährigen nur selten. Wahrscheinlich hänge dies damit zusammen, dass die rechte Gehirnhälfte schon im Mutterleib nicht mehr weiter gewachsen sei.

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Körperlich eine Sensation – aber psychisch mehr als überraschend!

Die Ärzte und Forscher beschäftigten sich hier nur mit den körperlichen Effekten, nicht aber mit einem psychologischen Zusammenhang, der mir jetzt dazu einfiel:
Stellen Sie sich bitte vor, wie die Eltern dieses Kindes reagiert hätten, wenn das Fehlen der Gehirnhälfte bereits vor der Geburt bemerkt worden wäre. Wahrscheinlich hätte man das Mädchen wegen der erwarteten Behinderungen nicht zur Welt kommen lassen.

Stellen Sie sich bitte vor, wie die Eltern vielleicht reagiert hätten, wenn das Fehlen der Gehirnhälfte erst nach der Geburt bemerkt worden wäre. Mit größter Besorgnis und dauernden Ängsten hätten die Eltern ihr Kind umsorgt. Das Kind hätte diese Gefühle gespürt und schon früh wäre sein Bewusstsein geprägt worden von der Vorstellung, das mit ihm etwas ganz Bedeutendes nicht stimme, dass es „anormal” sei, dass es möglicher Weise behindert sei usw.

Wie würde das Kind seine Umwelt wahrnehmen, wenn es diese grundlegenden Informationen von seinen besorgt-ängstlichen Eltern erhalten hätte? Ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass das Kind in ebensolchen oder noch größeren Ängsten und Sorgen leben würde, wie seine Eltern? Und dazu kommt der Anspruch unserer Gesellschaft nach Leistungsfähigkeit: Wer nicht leistungsfähig ist, hat schlechte Karten, wird links liegen gelassen, steht im Abseits, oder? Solche Denkweisen sind unmenschlich, zerstören den Selbstwert, führen in Angst und Depression.

Welch ein Unterschied zwischen diesem durchaus realistischen, negativen Szenario und dem, was erfreulicher Weise tatsächlich eingetreten ist!!!

Der Unterschied: Unsere Sichtweise beeinflusst die Realität

Das Mädchen hatte riesiges Glück! Auch deswegen, weil das Gehirn so toll flexibel reagiert und Defizite voll ausgeglichen hat, aber sehr viel eher gerade deswegen, weil niemand um das Geheimnis wusste.

Im negativen Fall hätten sich alle Beteiligten gedanklich und gefühlsmäßig auf den Mangel, das Defizit und seine wahrscheinlich katastrophalen Folgen konzentriert… und dabei all das, was eigentlich doch gut, heil und gesund ist, außen vor gelassen. Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wäre gerade das am meisten Befürchtete für das Mädchen eingetreten

Das Mädchen hatte riesiges Glück, weil niemand die Gelegenheit bekam, sich auf die mögliche Katastrophe zu konzentrieren, sondern weil alle vom Positiven ausgingen, nämlich einer gesunden natürlichen Entwicklung eines Kindes. Und das Erwartete trat auch tatsächlich ein.

Ein weiteres Beispiel – ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen…

In den USA arbeitete ein Bahnarbeiter in einem Kühlwaggon. Unglücklicher Weise fiel die Türe zu und er war in dem Waggon gefangen. Als seine Kollegen ihn am nächsten Morgen in dem Waggon fanden, war er erfroren. Die Kriminalpolizei stellte aber fest, dass das Kühlaggregat des Waggon nicht eingeschaltet gewesen war und die Temperatur im Waggon nicht unter 18 Grad gefallen war. Dennoch hatte der Banarbeiter am ganzen Körper die typischen Kälteschäden, die normaler Weise erst bei Temperaturen unter Null Grad auftreten! – Die einzige sinnvolle Erklärung: Der Bahnarbeiter hat an seinen Erfrierungstod fest geglaubt. Die Macht der Psyche war so stark, dass der Körper diesem Glauben „gefolgt” ist und mit allen Zeichen von Erfrierungen reagiert hat!

Welche Erwartungshaltung haben Sie Ihrem Alltag gegenüber?

Neigen Sie dazu, sich auf die Abwehr aller erdenklichen Katastrophen zu konzentrieren oder richten Sie eher Ihre Aufmerksamkeit auf die erfreulichen Dinge des Lebens? — Meine eigene Erfahrung besagt, dass ich die erfreulichen Dinge des Lebens um so weniger wahrnehme, je mehr ich mich mit möglichen Bedrohungen, Ängsten oder bestehenden Einschränkungen und Unannehmlichkeiten beschäftige.

Das hat nichts mit »positivem Denken« und ähnlich obskuren, nicht funktionierenden Dingen zu tun, sondern mit »Konditionierung«. Es ist eine natürliche und überlebenssichernde Einstellung, dass wir alle bedrückenden, einschränkenden oder angstmachenden Situationen und Erlebnisse vermeiden oder zum Besseren ändern wollen und viel dafür tun, das sie nicht eintreten. Aber wenn wir uns überwiegend mit Vermeidung und Abwehr beschäftigen und darüber die Annehmlichkeiten des Lebens nicht mehr genießen können, dann ist diese Haltung nicht natürlich-vorsorgend, sondern krankmachend.

Wir bekommen, was wir erwarten!

…jedenfalls ist dies sehr wahrscheinlich! Sie fragen sich, warum Sie dann nicht schon längst im Lotto gewonnen haben? — Das ist einfach: Beim Lotto richtet sich Ihre Erwartung auf etwas, das Sie selbst nicht beeinflussen können. Was ich hier im Beitrag anspreche, sind diejenigen Erwartungen, die wir auf uns selbst und auf unsere Umgebung in einem Bereich richten, den wir selbst beeinflussen und mitgestalten können.
Wenn wir überall nur Probleme und Schwierigkeiten befürchten, verlieren wir den Blick für mögliche Lösungen. Erst dann stecken wir wirklich in Problemen fest.
Wenn wir erwarten, von anderen Menschen schlecht behandelt, übervorteilt oder belogen zu werden, nehmen wir von vorneherein eine Opferrolle ein. Dadurch ziehen wir uns durch unser eigenes Verhalten die dazu passenden „Täter” an und müssen dann auch die Konsequenzen daraus hinnehmen.

Beispiele für solche negativen Erwartungen und ihre Folgen hätte ich (und hätten vermutlich Sie) noch ziemlich viele. Viel wichtiger ist die Konsequenz, die sich daraus ergibt:
Wir sind für unsere negativen Erwartungen, unsere grundsätzliche Einstellung dem Leben und unserer Umgebung gegenüber selbst verantwortlich — und somit auch für die sich daraus ergebenden Folgen.

Sind wir demnach immer „schuld” am eigenen Unglück?

Aha, denkt jetzt manch einer: „Ich soll auch noch selbst Schuld an meinem Unglück sein!” — Nein, genau das ist damit nicht gemeint! Verantwortlich für etwas sein heißt, dafür bereit zu sein, die Konsequenzen, die Folgen aus einer Entscheidung hinzunehmen und zu tragen! Und Verantwortung in diesem Sinne kann nur dann jemand übernehmen, wenn er aufgrund von Informationen und eigenen Fähigkeiten die Möglichkeit gehabt hat, sich auch anders zu entscheiden.

Nehmen wir wieder das Beispiel mit dem Mädchen: Durch die Ängste und Befürchtungen der Eltern und Verwandten wäre es vielleicht so geprägt worden, dass es ein negatives Selbstbild und Minderwert entwickelt und dass es sich ungeliebt oder gar abgelehnt fühlt. Daraus entsteht eine Erwartungshaltung an die Umgebung, dass von allen nur etwas Negatives kommen kann.
Wird solch eine tief in der Psyche verankerte Grundeinstellung nicht durch professionelle Therapie aufgelöst, bleibt sie auch im Erwachsenenalter bestehen. Dieses Mädchen, dieser Mensch hat ohne therapeutische Hilfe nicht die Freiheit der Wahl, die Welt anders zu sehen, als gefärbt durch die Brille der negativen Erwartungshaltung. Folglich ist er nicht verantwortlich für die sich daraus ergebenden Konsequenzen! Aber er ist veranwortlich dafür, dass er etwas unternimmt, um die Problematik auflösen zu können. Und dies ist Psychotherapie.