Durch das Erleben in einer freundschaftlich wohlwollenden Gemeinschaft, in der Schutz und Sicherheit gewährleistet wird, kann der Teilnehmer seine eigenen positiven Werte und Fähigkeiten erkennen und sein Selbstvertrauen stärken.

zum Fühlen

Der Wert einer Gemeinschaft

Eine Erkenntnis von Richard Beauvais

Selbsthilfe-Gruppen, viele meiner Angebote sowie die Angebote sogenannter „Therapeutischer Gemeinschaften” beruhen auf der Ansicht, dass der Mensch in sich genug (womöglich verborgenes) Potenzial trägt, um sich selbst zu heilen. Dies ist im Spiegel der Begegnung mit anderen Menschen möglich. Zusätzlich kann ein Therapeut auf diesem Weg begleiten, falls dieser sonst nur schwer gefunden werden kann.

Durch das Erleben in einer freundschaftlich wohlwollenden Gemeinschaft, in der Schutz und Sicherheit gewährleistet wird, kann der Teilnehmer seine eigenen positiven Werte und Fähigkeiten erkennen und sein Selbstvertrauen stärken. Die so gewonnene Stärke bewirkt zugleich, dass die entdeckten Fähigkeiten im Alltag nicht verloren gehen.

Richard Beauvais, ein Franko-Amerikaner, der als einer der Urväter der Selbsthilfeprogramme (und Mitbegründer der Selbsthilfegruppe Daytop) gilt, hat dies 1964 sehr gefühlvoll ausgedrückt:

Ich bin hier,
weil es letztlich kein Entrinnen vor mir selbst gibt.

Solange ich mir nicht selbst in den Augen und Herzen meiner Mitmenschen begegne,
bin ich auf der Flucht.

Solange ich nicht zulasse, dass meine Mitmenschen an meinem Innersten teilhaben,
gibt es für mich keine Geborgenheit.

Solange ich mich fürchte, durchschaut zu werden,
kann ich weder mich selbst noch andere erkennen — ich werde allein sein.

Wo kann ich solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unserer Gemeinsamkeit.

Hier in der Gemeinschaft kann ich erst richtig klar über mich werden
und mich nicht mehr als den Riesen meiner Träume
oder den Zwerg meiner Ängste sehen,
sondern mich selbst — Teil eines Ganzen —
zu ihrem Wohl einen Beitrag leisten.

Richard Beauvais (1964)