sh leboyer geburt ohne gewalt

von Frédérick Leboyer
Taschenbuch: 160 Seiten; Verlag: Kösel-Verlag; Auflage: 14 (5. Juli 1995);
ISBN-13: 978-3466343324; 15,95 EUR

Die „sanfte Geburt”, das war für mich bereits Thema, als ich Vater werden durfte. Heute sehe ich dieses Themenfeld aus einem erweiterten Blickwinkel und finde, dass die Bücher von Frédérick Leboyer nicht in Vergessenheit geraten sollten!

Leboyers größtes Verdienst aus diesem Buch ist, durch die extrem einfühlsame Beschreibung der vorgeburtlichen Zeit und der Geburt selbst seinen Lesern die Gefühlswelt eines Un- und Neugeborenen nahebringt. Dieses tiefe Verständnis ist erforderlich, wenn man mit seinem Neugeborenen angemessen umgehen können will und ihm bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten geben will.
Bei Firmen oder Raketen mag es „Fehlstarts” geben und die Folgen sind meist behebbar. Der „Fehlstart” eines kleinen neuen Menschen hat aber leider meist katastrophale Folgen. Dieses Buch ermöglicht den „Bilderbuch-Start” ins Leben!

Was geschieht, wenn man nicht das Glück eines Bilderbuch-Starts hatte, erfahre ich durch die Lebensgeschichten meiner Klienten. Meist arbeite ich mit der Schematherapie, deren Besonderheit es ist, verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische Ansichten und Methoden miteinenander zu verbinden. Nicht alle, aber der überwiegende Teil der Probleme, die meine Klienten mir vortragen, hat Ursachen in ihrer Kindheit. — Vergleiche ich die Aussagen meiner Klienten mit den hier im Buch dargestellten Zusammenhängen, so sehe ich eine überraschend tiefe Stimmigkeit.

Die Praxis im „Gesundheitswesen”: oft mehr Geschäft statt Gefühl

In krassem Gegensatz zu den Anregungen in diesem Buch sehe ich die – leider! – gesetzlich zugelassene Genitalverstümmelung an männlichen Babies und Kindern (entgegen den Vorgaben des Grundgesetzes und der internationalen Menschenrechte). Und das, nachdem man das Gleiche bei Frauen seit einiger Zeit endlich gesetzlich unter Strafe gestellt hat!
Aber auch die Geburt per Kaiserschnitt wird von immer mehr Ärzten als besonders vorteilhaft geschildert, während trotz bestehender ärztlicher Aufklärungspflicht die Risiken und Folgen verharmlost werden! Als Erklärung hilft vielleicht die Information, dass bis heute (August 2012) die Krankenhausärzte besondere Boni und Vergütungen erhalten für jede zusätzliche Operation (siehe Deutsches Ärzteblatt).

Ärzte, Krankenhäuser, Transplantationsfirmen verdienen sich eine goldene Nase dabei, beosnders, wenn die Geburt mit Wehenhemmern verzögert wird, um dann später den Geburtsstillstand als Notfall deklarieren zu könne, der besonders hoch abgerechnet werden kann. Solche Auswüchse zeigen, wie wichtig solche Bücher sind, wie dieses hier von Leboyer: Damit Eltern solchen Eingriffen nur in begründeten Notfällen zustimmen!

Wie versteckte Traumatisierungen entstehen und was sie bewirken können

Ein Kleinkind hat noch kein Bewusstsein für sich selbst als eigenständiger Mensch, begreift sein ICH-Sein noch gar nicht, erfährt sich hauptsächlich über die Empfindungen seines kleinen Körpers. Und der ist hochsensibel — empfindsamer für Berührungen, Zärtlichkeiten aber auch für Schmerzen als jemals wieder im weiteren Leben. Und alles, was solch ein kleiner Körper erlebt, wird als grundlegende Erfahrung im Stammhirnbereich gespeichert.
Weil der „Speicherplatz” dort begrenzt ist und weil noch kein detailliertes Nachdenken, Bewerten und Auswerten eines Erlebnisses möglich ist, werden die dort gespeicherten Körperwahrnehmungen nur zusammen mit ihren Gefühlen gespeichert und der groben Bewertung: Ist gut, ist schlecht, ist gefährlich / lebensbedrohend.

Erlebt ein solch kleiner Mensch seine ersten Lebenstage und Wochen bereits mit der Erfahrung, dass die Umgebung eher gefährlich, abweisend, kalt und ungünstig ist, so wird dies als grundlegendes Erfahrungsmuster gespeichert und später nie wieder verlernt! Aber diese Erfahrung, dieses Gelernte kann auch nach dem Erlernen von Sprache und dem Schärfen des Verstandes, nicht in Worten ausgedrückt werden. Es bleibt als grundlegendes Gefühl erhalten, das sich immer dann unangenehm bemerkbar macht, wenn eine Situation erlebt wird, die der damaligen ähnelt. Das ist der Wirkungsmechanismus, der Traumatisierungen zu Grunde liegt.

In der Schematherapie lernen meine Klienten, dass bestimmte Kernbedürfnisse erfüllt sein müssen, damit ein Mensch gesund aufwachsen und seine Potenziale und Talente entfalten kann:

  1. körperliche Sicherheit, Schutz, Versorgung
  2. Bindung, Beziehung, (und später: Partnerschaft, Zugehörigkeit zu unterstützenden Gemeinschaften)
  3. stabile Basis, Kontinuität, Zuverlässigkeit
  4. Geborgenheit, emotionaler Schutz
  5. emotionale Zuwendung, Mitgefühl, Trost
  6. Ermutigung, besonders bei Erlebnissen von Misserfolg
  7. Angenommen-Sein wie man ist
  8. Anleitung zur Entfaltung der Potenziale
  9. Respekt, Beachtung, Berücksichtigung
  10. Freiheit zum Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen
  11. Möglichkeiten zur Kontrolle, Abgrenzung, Autonomie
  12. Anerkennung, Wertschätzung, Lob
  13. angemessene Grenzen

Mit dem hier vorgestellten Buch von Leboyer können Sie die neun Monate bis zum Geburtstermin zu einer optimalen Vorbereitung und zu einer emotionalen Einstimmung auf das große Ereignis nutzen.

Nun haben Sie erfahren, welch große Bedeutung ich dem Buch und seinen Anregungen zumesse für die Gesundheit von Kindern. Aber über den Inhalt habe ich fast nichts geschrieben. Ich kann auch nicht aus eigener Erfahrung sprechen, weil damals, als ich Vater wurde, das Schicksal es nicht gut mit uns gemeint hat:
Natürlich hatten wir Leboyers Buch gelesen und wünschten uns eine „natürliche Geburt”. Aber es fand sich kein Krankenhaus hierfür. 1979 war es schon Glück, ein Krankenhaus mit Rooming-In zu finden! Als es so weit war, wurde die Geburt meiner Tochter mit Wehenhemmern verzögert, weil der Arzt keine Lust hatte, den Feierabend zu verderben. Als die Wehen dann komplett aussetzten, musste die Saugglocke eingesetzt werden. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sich dies alles für meine Tochter angefühlt haben mag!


Deshalb lasse ich hier einige andere Leser mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen:
Zum Glück haben wir das Buch von Leboyer vor der Geburt unseres Kindes gelesen und eine Ärztin gefunden, die nach der Methode "Leboyer" entbindet. Die Wirkung ist sensationell: unser Kind kam entspannt (so weit das nach der Anstrengung geht) zur Welt und konnte sich in seinem Rhythmus ins Leben finden. Was Leboyer zum Streßabbau für die Kinder schreibt, insbesondere die Rolle der Nabelschnur als wichtigste Lebensader kurz nach der Geburt ist ebenso einleuchtend, wie nacherlebbar! Wer als Eltern den „5-Punkte-Plan” von Leboyer beherzigt kann sicher sein, seinem Kind einen bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht zu haben. Sie wollen das sehen? Vergleichen Sie Fotos der Kinder unmittelbar nach der Geburt — sie werden den Unterschied sehen und Ihr Kind wird ihn fühlen. Alles Gute!

Léboyérs Sprache ist einfach Poesie. Ich konnte so in seine Zeilen eintauchen, dass ich das Buch in einem Stück gelesen habe, und es hat mich tief bewegt! Die Bilder sind zwar nur schwarz-weiß Aufnahmen und teilweise ein bisschen unscharf, aber dennoch äußerst beeindruckend.
Ich hoffe sehr, dass ich allen Neugeborenen künftig in der von Léboyér beschriebenen Demut begegnen kann. Jeder werdenden Mutter und jedem werdenden Vater, jeder Hebamme, jedem Arzt und jedem Geburtshelfer möchte ich ans Herz legen, dieses Buch zu lesen, Wort für Wort zu verinnerlichen und danach zu handeln!
In der Hoffnung, dass die Bilder der glücklichen, zufriedenen und sanft geborenen Babys auch in den heutigen Kreißsäälen zur Realität werden, ist Léboyérs Buch "Geburt ohne Gewalt" keineswegs überholt, sondern aktueller, denn je!

Ich las die Bücher von Frederick Leboyer vor den Geburten unserer Kinder. Während der Geburten im Geburtshaus bzw. beim 2. Kind zu Hause erinnerte ich mich an die Zeilen und Worte von Leboyer. Es war so, als wäre Prof. Leboyer anwesend. Ich werde diese Erlebnisse mein Leben lang im Herzen bewahren. Ich war ganz in meiner Kraft, und ich wurde meiner Macht als werdende Mutter nicht "entbunden". Gemeinsam mit den Kräften meines Körpers und denen des Kindes, mit Vertrauen und Zuversicht erlebte ich selbst eine Neugeburt. Die Nabelschnur wurde erst nach 20 min. durchtrennt. 9 Jahre später blicke ich voll Dankbarkeit auf die Geburten zurück und verneige mich vor Leboyer und seiner Pionier-Arbeit. Die Erfahrungen meiner Geburten sind im neuen Buch "Atmen, singen, gebären" nachzulesen.