Wir Menschen sind schon wunderlich: Da fällt uns eine tolle Idee ein, was wir denn am liebsten mal machen würden… — ja und der Konjunktiv „würde” zeigt bereits an, dass daraus wohl eher nichts wird! Denn wir trauen uns einfach nicht, z.B. weil die Idee so ungewöhnlich ist, oder weil sie gegen die „ungeschriebenen Gesetze” der „Normalität” in der Gesellschaft verstößt.

Da hören wir in uns „mahnende oder drohende Stimmen”, die sagen z.B.:

  • Das tut man nicht!
  • Was sollen denn die Nachbarn denken?!?
  • Du machst dich zum Gespött der Leute!
  • Du wirst deinen guten Ruf ruinieren!
  • Man wird dich auslachen und du wirst dich in Grund & Boden schämen!
  • Du wirst dich nirgendwo mehr sehen lassen können!
  • Du wirst schon sehen, was du davon hast!

Das sind die typischen „Kaputtmacher-Sprüche” mit denen jeder creative Einfall sofort zerstört wird! Und vielleicht erinnern Sie sich, dass Ihre Eltern oder Ihre Lehrer oder Chefs so zu Ihnen gesprochen haben und Sie diese einschränkenden Sprüche einfach hingenommen und dann unbewusst sogar verinnerlicht haben.

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Kaputtmacher-Sprüche und deren Folgen

Sehen Sie genau hin, welche Folgen die dauernde Einschränkung durch diese Sprüche für Sie hat: Ihnen bleibt kein Spielraum mehr für Neues! Sie können nur noch das, was bereits existiert, ständig weiter kopieren und vielleicht auch irgendwie weiter perfektionieren. Aber wirklich Neues kann so nicht mehr entstehen!
Und dann lesen Sie bitte die Biografien bekannter Künstler, Schauspieler, Maler, Erfinder, Wissenschaftler! Menschen, die wirklich Neues in die Welt gebracht haben. Meist sind sie anfangs oder gar zu ihren gesamten Lebzeiten verlacht worden. Aber sie sind sich selbst und ihren Ideen treu geblieben! Und so ist Großes entstanden, das wir heute wie selbstverständlich zu unserem kulturellen und wissenschaftlichen Erbe zählen.
Sie sagen jetzt vielleicht, dass Sie doch schließlich kein Künstler, Wissenschaftler oder ähnlich „Großes” seien, sondern ein einfacher, durchschnittlicher Mensch? — Es mag ja sein, dass Sie sich als „durchschnittlich” und „normal” betrachten. Aber Sie können dennoch „Künstler Ihres Lebens” sein! Genau dazu möchte ich Sie mit diesem Artikel ermutigen. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, egal als wie beschränkt Sie diese zurzeit einschätzen mögen!

Möchten Sie nur ein „Kopierer” sein oder auch öfters ein „Creativer”?

Sie haben die Wahl, ob Sie in Ihrem Leben eher als „Kopierer der Normalität” auftreten wollen oder eher als jemand, der sich selbst und seinen Ideen treu bleibt und Neues schafft! Nicht immer wird das Creative zu Erfolg und Glück führen. Aber das ständige Kopieren führt gewiss nicht zu Lebenslust und Lebensfreude. Denn es liegt in der Natur des Menschen, sich weiter zu entwickeln und Neues zu erschaffen statt nur das Vorhandene „Alt-Bewährte” zu kopieren.

Mit dem Kopieren wird bestenfalls nur das in die Zukunft fortgesetzt, was es bisher schon gab. Also kann sich nichts daraus weiter entwickeln. Das beste Beispiel ist die Politik unserer Zeit: Aus lauter Angst vor den Konsequenzen werden keine alternativen Lösungen entwickelt und dann auch wirklich umgesetzt. Adenauer gewann seine erste Wahl mit dem Spruch: „Keine Experimente!” Frau Dr. Merkel bezeichnet ihre Politik als „alternativlos”. Ich sage dazu: „Wie geistlos! – Ohne jede Creativität!”

übermächtige Angst blockiert jede gesunde Entwicklung

Wo Angst zum alles überlagernden Gefühl wird, bleibt kein Raum für Creativität. Menschen neigen dazu, aus lauter Angst das zu wählen, was ihnen am bekanntesten und somit am vertrautesten erscheint. Und so wählt man die konservativen Parteien besonders dann, wenn die politischen oder wirtschaftlichen Verhältnisse schwierig erscheinen. Zugleich verhindert man damit aber eine wirklcihe Lösung. Einstein sagte bereits, dass man Probleme nicht mit der gleichen Art zu denken lösen kann, mit der diese entstanden sind.
Übrigens denken Drogenabhängige genau so, wie die Wähler, die gerade wieder die konservativen Parteien gewählt haben: Sie stellen nicht die gescheiterten Lösungsversuche der bisherigen konservativen Regierung in Frage, sondern glauben allen Ernstes, dass man nur „mehr davon” benötige, um die Lösung der Probleme zu erreichen!

Was in jedem Fall fehlt, ist der Mut, neue creative und auch unübliche Entscheidungen zu treffen und wirklich grundlegend Neues zu versuchen!

Beispiel: Mutig sein bringt Lebenslust pur!

Ein sehr guter Freund trug sich viele Jahre hindurch mit der Fantasie, wie toll es sich für ihn anfühlen würde, wenn er in einer gepflegten Disco barfuß tanzen würde und dazu farbenfrohe Seidentücher tragen würde. Einen langen Seidenschleier wollte er beim Tanzen von Hand zu Hand wie eine Fahne wehen lassen. — Aber die „inneren Stimmen”, die Bedenken, hielten ihn davon ab, es endlich einmal wirklich zu tun (siehe oben).
Dann kam ihm in den Sinn, dass er seine Idee wahrscheinlich niemals verwirklichen würde und irgendwann unglücklich auf dem Sterbebett liegend sich in großem Ärger vorwerfen würde, dass er es nicht getan hatte! Und so kam er auf den entscheidenden Satz:

Wenn nicht jetzt — wann denn sonst???

Diese Erkenntnis elektrisierte ihn förmlich! Und durch diese Erkenntnis brachte er endlich so viel Mut und Energie auf, es tatsächlich zu tun! Es war irgendwann gegen 1985 im Winter, als er in Stuttgart in die Bhagwan-Disco ging. Die hatte nämlich einen blitzsauberen weißen Marmorfußboden und die Besucher und die Geschäftsleitung waren toleranter, als in anderen Discos. Auf der Toilette zog er sich um und zitternd vor Aufregung und Angst betrat er die Tanzfläche.
Aber er wurde bei den vielen anderen Tänzern erstaunlich wenig beachtet. Plötzlich legte der DJ ein im Rhytmus ziemlich ungewöhnliches Stück auf (Dave Brubeck, Take Five). Ziemlich schnell verließen alle die Tanzfläche und gingen meist an die Bar. Mein Freund aber blieb unschlüssig auf der Tanzfläche. Plötzlich fühlte er förmlich, wie der Rhytmus seinen Köper wie von selbst zu bewegen begann. In immer größeren schwungvollen Bewegungen benötigte er schließlich die gesamte Tanzfläche. Er war so in seinem Tanz verbunden, dass er die anderen Gäste nicht mehr wahrnahm. Und irgendwie kam es, dass er genau in der Mitte der Tanzfläche mit ausgebreiteten Armen stehen blieb, als das Musikstück zu Ende war.
Schlagartig stellte er fest, dass die meisten Gäste seinem Tanz zugeschaut hatten. Er wäre vor Scham am liebsten in den Boden versunken oder davon gelaufen… — aber da begannen die Gäste Beifall zu klatschen! Er konnte es kaum glauben!

Mein Freund genießt noch heute die Bilder aus dieser Erinnerung. Es war für ihn und die Gestaltung seines weiteren Lebens ein Schlüsselerlebnis: Seither hat er den Mut, seine inneren Bedenken zu überwinden und folgt dann sehr oft seinen creativen Ideen.

Noch ein Beispiel: Ich selbst mit meiner beruflichen Selbstdarstellung

Als ich mit meiner Tätigkeit als Persönlicher Berater und später als Heilpraktiker der Psychotherapie begann, musste ich mich entscheiden, ob ich ein überwiegend an den üblichen Marketing-Denkweisen ausgerichtetes Image aufbauen wollte: Eine beeindruckende Fassade, fachlich kompetent und super-erfolgreich, „dynamisch proaktiv” und was dergleichen Hohl-Phrasen mehr sind.
Oder ob ich mich einfach so zeige, wie ich wirklich bin: Ein gefühlvoller und mitfühlender Mensch mitsamt seiner Lebensgeschichte aus Höhen und vielen Tiefen, mit Glück und Leid, Erfolgen und Fehl- / Tiefschlägen. Denn all dieses hat Wert und hat mich zu demjenigen werden lassen, der gerade aufgrund dieser Lebenserfahrung und der persönlichen Fähigkeiten die nötige Kompetenz für diesen Beruf hat. Es ist die Kompetenz, andere Menschen angemessen dabei zu begleiten, ihre Fähigkeiten zu entdecken, aus eigener Kraft Schwierigkeiten zu überwinden und ihr Leben erfreulich gestalten zu können! – Deshalb finden Sie (ungewöhnlich für jemanden aus meinem Berufsfeld) so viel über mein Leben auf dieser Website.

Diese Entscheidung war sehr riskant und ich hatte damals große Angst, dass das gründlich schief geht! Vier von fünf meiner Freunde / Freundinnen hatten mich vor dieser Entscheidung und den möglichen Konsequenzen gewarnt:

  • Was sollen deine Klienten denn von dir denken?
  • Deine Klienten glauben, du wärst ja selbst nicht ganz gesund und maßt dir trotzdem an, anderen helfen zu wollen! (der typische „Witz”, dass Therapeuten selbst „einen an der Waffel” hätten)
  • Du blamierst dich und untergräbst deine fachliche Kompetenz!
  • Du verletzt die gebotene therapeutische Distanz zu Klienten, wenn du dich so zeigst! Das ist absolut unprofessionell!
  • Du machst damit eine professionelle Arbeit unmöglich, weil du dein Privates mit in die Beratung oder Therapie hinein mischst. Das ist unseriös!

Heute, im Rückblick auf Jahre der erfolgreichen Arbeit mit meinen Klienten sehe ich, dass es genau die richtige Entscheidung war:

  • Meine Klienten und Kursteilnehmer fühlen sich gerade deshalb bei mir wohl und gut aufgehoben, weil sie in mir den Menschen sehen und nicht den „studierten psychologischen Über-Durchblicker” mit Diplom.
  • Meine Klienten und Kursteilnehmer geben mir ihre Anerkennung und Wertschätzung, weil sie meine Echtheit, meine Authentizität spüren und die damit verbundene Stärke.
  • Ich selbst habe dank meiner Entscheidung ein Gefühl großer Stärke und Selbstsicherheit in mir. Und diese Qualität nutze ich sowohl für mich selbst als auch in meinen Gruppen und Einzelberatungen.

Und was, wenn ich mich konventionell / konservativ entschieden hätte? Dann würde ich mich immer in die Fassade und meinen echten Kern gespalten fühlen. Ich würde anderen Menschen etwas vormachen, also letztlich lügen. Ich bin froh, dass ich mich für meine Echtheit entschieden habe, und zu mir in meiner menschlichen Ganzheit stehe und diese auch allen anderen Menschen gegenüber nicht verheimliche.

Gibt es dabei Grenzen? Ja natürlich! Ich teile nur so viel über mich und meine Biografie mit anderen, wie es mir selbst dabei gut geht und außerdem nur so viel, wie es für andere oder die jeweilige Beziehungsgestaltung nützlich ist. (also kein „Seelen-Striptease”!)

Aber es gibt doch auch Grenzen, die man beachten muss, oder?

Klar gibt es die! Zum Beispiel, wenn die Rechte oder Freiheiten anderer eingeschränkt würden oder sich die Handlung gegen die Würde anderer richtet. Aber in der üblichen Alltagswirklichkeit neigen die meisten Menschen dazu, sich unnötig selbst zu beschränken, lange bevor solche echten Grenzen erreicht sind. Und damit nehmen sie sich selbst Freiräume für Lebensgestaltung und Lebendigkeit weg! Nur darauf ziele ich hier ab.
Als Maßstab der Freiheit innerhalb der vorgenannten Grenzen sehe ich die (sinngemäße) Äußerung von Eric Berne, dem Begründer der Transaktionsanalyse:

Lass dein Kind-ICH* so ausgelassen spielen, wie es will…
— aber achte auf die Schlagzeilen am nächsten Morgen!

Konkret heißt dies: Sie dürfen sich durchaus viel erlauben... wenn Sie bereit sind, die Konsequenzen zu tragen — und das ist zugleich die echte Bedeutung des Wortes „Verantwortung”.
Und Ihr Mut ist nötig, um gegebenenfalls auch negative Konsequenzen auf sich zu nehmen, wenn Ihr Gewinn an Freude und innerer Stimmigkeit diese negativen Konsequenzen aufwiegt. Diese Abwägung und die Entscheidung kann Ihnen allerdings niemand abnehmen.

* Das mentale Modell der Transaktionsanalyse und der Schematherapie arbeitet damit, dass jeder Mensch drei ICH-Einheiten beinhaltet. Vereinfacht erklärt:
Das Kind-ICH, in dem sich die Gefühle zeigen,
das Erwachsenen-ICH, das dafür sorgt „dass der Laden läuft” und sich gegenüber dem Kind-ICH wie ein konstruktiver Elternteil verhält
das „Zerstörer-ICH” (meist leider missverständlich als Eltern-ICH bezeichnet), in dem alle unnötig einschränkenden, nicht förderlichen oder sogar zerstörerischen Normen, Werte, Vorgaben und Regeln repräsentiert sind.

Wann beantworten Sie sich selbst die Frage: Wenn nicht jetzt, wann denn sonst?

Auf welche „geeignete” Situation wollen Sie warten und wie lange wollen Sie noch warten, bis Sie Ihre lustversprechenden, aber „riskanten” Ideen verwirklichen? Wollen Sie sich später auf dem Sterbebett schwarz ärgern, weil Sie Ihren guten Einfällen so selten gefolgt sind?

Ich habe noch nie von jemandem gehört, der auf seinem Sterbebett gesagt hat:

Ach hätte ich doch bloß mehr Lebenszeit im Büro / auf dem Arbeitsplatz verbracht!

Statt dessen beklagte fast jeder:

    Ach hätte ich doch bloß mehr Zeit mit meiner Frau und den Kindern verbracht!
    Ach hätte ich doch bloß mehr Zeit mit Zärtlichkeit und Sex genießen können!
    Ach hätte ich doch bloß viel mehr gelacht, statt alles so streng und todernst zu sehen!
    Ach hätte ich doch bloß der Lust am Leben mehr Raum gegeben!